240 Kekules Betrachtungen über die Aneinanderlagerung der Atome.
Für Substanzen, die mehrere Kohlenstoffatome enthalten,muß man annehmen, daß ein Teil der Atome durch die Affinitätdes Kohlenstoffs in der Verbindung gehalten werde, und daß dieKohlenstoffatome selbst sich aneinander lagern, wobei ein Teil derAffinität des einen gegen einen ebenso großen Teil der Affinität desanderen gebunden wird. Der einfachste Fall ist, daß jedes Atomhierzu eine Verwandtschaftseinheit verbraucht. Von 2x4 Ver-wandtschaftseinheiten zweier Kohlenstoffatome werden also zweiverbraucht. Eine Gruppe C 2 würde also nicht achtwertig, sondernsechswertig sein, wie in den Verbindungen C 2 H 6 , C 2 H 5 C1, C 2 H 4 C1 2 ,C 2 H 3 N (Acetonitril), C 2 H 4 0 usw. Ein Kohlenwasserstoff C 2 H 8oder Derivate desselben existieren nicht. Für jedes weiter hinzu-tretende Atom wird die Wertigkeit der Kohlenstoffgruppe umzwei Einheiten erhöht. Die Anzahl der mit » Kohlenstoffatomen,welche in dieser Weise aneinander gelagert sind, verbundenenchemischen Einheiten (z. B. Wasserstoffatome) wird also aus-gedrückt durch
w (4 — 2) + 2 = 2 n + 2.
Durch diese Betrachtungsweise erhielt auch die Homologiemit der Differenz wCH 2 zwischen den Gliedern ihre einfache Er-klärung. Ist der Kohlenstoff mit einem anderen mehrwertigenElemente verbunden, z. B. 0 oder N, so kann auch dieses nurmit einem Teil der Affinität an Kohlenstoff gebunden sein undalso zugleich andere Elemente binden. In den Verbindungen,welche gleich viele Kohlenstoffatome im Molekül enthalten unddurch einfache Metamorphosen auseinander entstehen, z. B. Alkohol,Äthylchlorid, Aldehyd, Essigsäure, Oxalsäure usw., muß man nachKekule annehmen, daß sie die Kohlenstoffatome in derselbenWeise gelagert enthalten, und daß nur die um dasselbe Kohlen-stoffskelett sich anlagernden Atome wechseln.
Es entging Kekule nicht, daß es Verbindungen gibt, dienicht durch diese „einfachste" Aneinanderlagerung erklärt werdenkönnen. Unter diesen hebt er besonders Benzol und seine Ab-kömmlinge sowie Naphthalin hervor. Sie enthalten bei demselbenWasserstoffgehalt viel mehr Kohlenstoff, als die gewöhnlichenorganischen Verbindungen. Es scheint ihm, daß hier „eine dichtereAneinanderlagerung der Kohlenstoffatome" angenommen werdenmüsse.
Wir finden also in den hier mitgeteilten Betrachtungen Kekulesdie Grundlage der späteren sogenannten Strukturchemie klar aus-gesprochen — die Verkettung der Atome miteinander in einer