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Geschichte der organischen Chemie von der ältesten Zeit bis zur Gegenwart
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Die neuere Typentheorie.

atomistische Form nicht verändert wird und also „der Typus derusprünglichen Verbindung erhalten wird", haben die neuen Typenwenig gemein; in Regnaults mechanischen Typen lag aber schondie Andeutung einer generellen typischen Auffassung. Laurenthatte schon im Jahre 1846 den Alkohol und den Äther auf dasWasser bezogen, und Hunt (in Amerika) hatte einige Jahre späterIdeen über Typen ausgesprochen, unter anderen das Wasser alsdas erste Glied in der homologen Eeihe der Alkohole betrachtet.Seine Arbeiten wurden aber erst viel später, nach dem TodeGerhardts, in Europa bekannt 1 ). Der Typus Ammoniak ergabsich aus Wurtz' und namentlich aus Hof manns Untersuchungen,und der Wassertypus wurde von Williamson aufgestellt. DieArbeiten des letztgenannten waren die entscheidensten auf diesemGebiete, und dieser hat auch die typische Betrachtungsweise inbezug auf die Alkohole, Äther und Säuren zuerst klar ausgesprochen.Es ist aber das Verdienst Gerhardts, diesen Begriff der Typenin ihrer allgemeinen Bedeutung und Tragweite gefaßt und ihnals ein für alle Gebiete der Chemie gültiges Prinzip ausgesprochenund verwirklicht zu haben. Die Typentheorie erscheint außerdemals eine reife Frucht der von Gerhardt (und Laurent) währendeines Dezenniums eingeschlagenen Forschungsrichtung, welchedurch diese Theorie ihre Krönung erhielt. Am richtigsten be-zeichnet man sie wohl, wie man es auch meistens tut, als dieWilliam son-Gerhardt sehe Typentheorie.

Wenn Gerhardt 2 ) selbst für sich die Vaterschaft der Theorievindizierte, so geschah es eben, weil sie aus einer Anschauungs-weise herausgewachsen war, für die er lange gekämpft und fürdie ihm so viele Schmähworte und Hiebe zuteil geworden waren-„Der Hauptpunkt", sagt er, „welcher jetzt die Chemiker in zweiParteien trennt, liegt in dem relativen Atomgewicht zwischenOxyden und Oxydhydraten, Äther und Alkohol, den sogenanntenwasserfreien und sogenannten wasserhaltigen einbasischen Säuren.Nach der älteren Schule sind in allen Oxydhydraten, im Alkoholwie in den sogenannten wasserhaltigen einbasischen Säuren, dieElemente des Wassers enthalten. Dies nun habe ich zuerstvor allen anderen Chemikern geleugnet: Kalihydrat, Alkohol,Essigsäure, sagte ich, enthalten kein Wasser; Berzelius und dieältere Schule verdoppelten die Atomgewichte dieser Körper und

*) Eine Prioritätsreklamation in bezug auf die Typentheorie hat SterryITnnt im Jahre 1861 gemacht (Compt. rend. 52, 247).9 ) Ann. Chem. Pharm. 91, 198 (1854).