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Geschichte der organischen Chemie von der ältesten Zeit bis zur Gegenwart
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Die neuere Typentheorie.

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In einer noch umfassenderen Weise wurde die typische Be-trachtungsweise Gerhardts in dem allgemeinen Teil seines großen,auch deutsch erschienenen Lehrbuches, „Traite de chimie orga-nique" (Bd. IV) entwickelt. Sie zeigte sich besonders dazu ge-eignet, die Übersichtlichkeit des reichen und vielseitigen Stoffesder organischen Chemie zu befördern. Die Typentheorie war nureine formale Anschauung, und dies sah auch Gerhardt gut ein.Sie hatte für ihn nur die Bedeutung eines vortrefflichen Aus-drucksmittels für die chemischen Beziehungen und Analogien. Siesollen nicht, ebensowenig wie die chemischen Formeln überhaupt,die wirkliche atomistische Zusammensetzung, die Anordnung derAtome ausdrücken. „Alle solche Vorstellungen", meint er, „be-ruhen auf Illusionen, auf falscher Auslegung der Erscheinungen."

Die Theorie erwies sich, trotz der formalen Anschauungsweise,die ihr eigen war, und trotz des Mangels eines allgemeinen er-klärenden oder befruchtenden Inhaltes doch als sehr anwendbar.Die organische Chemie verdankt ihr viele wichtige Entdeckungen,die der gemischten Äther und der Säureanhydride, und vor allemdie der mehrwertigen Alkohole (s. unten). Und noch wichtigerwar, daß in diesen neuen allgemeinen Typen ein viel tiefererSinn verborgen lag, als die Begründer und Anhänger der Theoriees ahnen konnten.

Sie erfuhr in den nächsten Jahren durch Aufstellung dermultiplen und gemischten Typen eine Erweiterung, von der weiterunten die Bede sein wird.

Einer der ersten Vorkämpfer für die Typentheorie in Deutsch-land war Limpricht. Sein in den Jahren 1855—1856 erschienener„Grundriß der organischen Chemie" hat sehr dazu beigetragen,die jüngere Generation Deutschlands mit den Ideen der Ger-hardt sehen Typentheorie bekannt und vertraut zu machen. Erhat diese Ideen nicht überschätzt, sondern durchaus richtig ge-würdigt. „Das Gerhardtsche System", äußerte er in seinemeinige Jahre später erschienenen Lehrbuche, „ist noch weit ent-fernt, ein vollkommenes zu sein. Es bildet nur den Übergang zueinem besseren System, für welches es alle Keime in sich trägt",eine Voraussage, die auch bald in Erfüllung ging.

Die neuere Typentheorie ist als die Gerhardtsche bezeichnetworden, und dies ist keineswegs unberechtigt, wenn er auch denBegriff der einfachen Typen nicht eingeführt hat. Mit Dumas'Typen, welche nur der Tatsache Ausdruck gaben, daß beider Substitution von einem Elemente durch ein anderes die