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Geschichte der organischen Chemie von der ältesten Zeit bis zur Gegenwart
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Theorie der mehrbasischen Säuren.

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Phosphorsäure analog waren. Die Citronensäure mußte als einedreibasische, die Weinsäure als eine zweibasische Säure betrachtetwerden, nicht nur weil sie neutrale Salze und zwei bzw. einsaures Salz bilden — die sauren Salze sah man vorher als Ver-bindungen von neutralem Salz mit freier Säure an —, sondernweil sie gemischte Salze geben, die aus der Säure mit verschiedenenBasen entstanden sind, wie z. B. weinsaures Kalium-Natriumoxyd-Dies war nach Liebig ein entscheidendes Merkmal der mehr-basischen Säuren. Die Weinsäure war als einbasisch betrachtetworden, gerade wie die Essigsäure, aber auf Grund des angeführtenKriteriums wäre sie zweibasisch und ihre Formel müßte verdoppeltwerden. Die Säure und ihre Salze wären also (nach der dua-listischen Betrachtungsweise) durch folgende Formeln auszudrücken:Weinsäure.........C 8 H 8 0 10 , 2H 2 0,

Saures weinsaures Kali .Neutrales weineaures Kali

C 8 H 8 O 10 , K 2 0, H 2 0,C 8 H 8 0 10 , 2K 2 0,

Seignettsalz.........C 8 H 8 O 10 , Na 2 O.K 2 0.

Nachdem er einzelne Säuren (Cyanursäure, Citronensäure,Mekonsäure u. a.) besprochen und die Zusammensetzung ihrerSalze diskutiert hat, hebt Lieb ig hervor, daß unsere gewöhnlichenAnsichten nicht ausreichen, um die Erscheinungen bei diesenSäuren zu erklären, und fährt fort:

„Neben der Ansicht über die Konstitution der Salze, welchein diesem Augenblicke die herrschende ist, besteht noch eineandere, welche Herr Davy für die Chlor- und Jodsäure aufgestellt,und welche Herr Dulong auf die Verbindungen der Oxalsäureanzuwenden versucht hat. Ich wage kaum zu gestehen, daß ichseit Jahren schon mir Mühe gegeben habe, Beweise zur Begründungdieser Hypothese aufzufinden, indem in ihr selbst, so verkehrtund widersinnig sie auch erscheinen mag, eine tiefe BedeutungHegt, insofern sie alle chemischen Verbindungen überhaupt ineine harmonische Beziehung miteinander bringt, insofern sie dieSchranke niederreißt, welche von uns zwischen den Verbindungender Sauerstoff- und Haloidsalze gezogen worden ist." Nach dieserAnschauungsweise wäre das Schwefelsäurehydrat nicht eine Ver-bindung zwischen der wasserfreien Säure und Wasser, und dieneutralen Salze nicht Verbindungen zwischen der wasserfreienSäure und Metalloxyd (S0 3 , H 2 0, bzw. S0 3 , K 2 0), sondern Wasser-stoff- bzw. Metallverbindungen (S0 4 , H 2 , bzw. S0 4 , K 2 ). „Gleichbeim ersten Anblick", sagt Liebig, „besitzt diese Formel etwasUnnatürliches. Das Kalium zeichnet sich durch eine so eminente