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Geschichte der organischen Chemie von der ältesten Zeit bis zur Gegenwart
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VII.

Liebigs Theorie der mehrbasischen Säuren.Die Bestrebungen Gerhardts und Laurents.Das unitarische System. Homologie. (1839—1848.)

„Durch die Xacht führt unser Wegzum Lichte." Liebig.

Wir sind in dem Vorhergehenden dem Streite über die Sub-stitutionserscheinungen und der auf diesen gegründeten Lehrevon den chemischen Typen bis zum Jahre 1845 gefolgt, wo erals beendigt betrachtet werden kann. Der Streit hatte mehr alszehn Jahre gedauert, und so unfruchtbar er oft zu sein schien,wurde er doch von eingreifender Bedeutung für die Entwickelungder organischen Chemie. Die auf die elektrochemischen Gegen-sätze gegründete dualistische Auffassung mußte einer unitarischerenBetrachtungsweise von der Zusammensetzung der organischen Ver-bindungen weichen. Die Verbindungen, auch die, welche mehrals zwei Elemente enthalten, wurden als ein Ganzes betrachtet,und man war nicht mehr gezwungen, in ihnen Bestandteile an-zunehmen, von welchen jeder eine geschlossene Atomgruppe bildet.Dazu hatten aber auch andere Untersuchungen als diejenigen mit-gewirkt, welche sich auf die Substitutionserscheinungen bezogen.Zunächst haben wir in dieser Hinsicht Liebigs Arbeit über diemehrbasischen Säuren zu beachten, weshalb wir uns um einigeJahre zurückversetzen müssen.

Grahams Untersuchungen über die Phosphorsäure (1833)hatten nicht nur die Beziehung zwischen den verschiedenen Modi-fikationen derselben klargelegt, sondern auch den Begriff derverschiedenen Basizität der Säuren eingeführt. Der Gedanke,daß ein Atom (Molekül) verschiedener Säuren verschiedene MengeBasis zur Neutralisation braucht, war vorher beinahe ganz fremd.L i e b i g *) fand bei der Untersuchung der Salze einer Anzahlorganischer Säuren, daß die Verhältnisse hier denen bei der

!) Ann. Chem. Pharm. 26, 143.