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Geschichte der organischen Chemie von der ältesten Zeit bis zur Gegenwart
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Organische Synthese.

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Und so wird es gelingen, Chinin, Caffein, die Farbstoffe der Ge-wächse und alle Verbindungen zu erzeugen, welche keine vitalen,sondern nur chemische Eigenschaften besitzen, deren Form undGestalt eine nicht organische Kraft bestimmt. Aber nie wird esder Chemie gelingen, eine Zelle, eine Muskelfaser, einen Nerv, miteinem Worte einen der wirklich organischen, mit vitalen Eigen-schaften begabten Teile des Organismus in ihrem Laboratorium. darzustellen." Für Liebig erschien also die Synthese der organi-schen Verbindungen außerhalb des Organismus keineswegs un-möglich. In derselben Richtung äußerte sich Gmelin (1848). Esschien ihm „nicht unmöglich, daß man dereinst viele oder allenatürlich vorkommenden organischen Verbindungen auch künst-lich würde erzeugen können". Ungefähr ähnliche Ansichten ent-wickelte Mulder (1844), welcher in der Mannigfaltigkeit derchemischen Produkte der organischen Natur ein Resultat derunendlichen Modifikationen der Molekularkräfte sah.

Ganz anders bei dem jüngeren Zeitgenossen Gerhardt 1 ). Erstellte die Lebenskraft und die chemischen Kräfte in Gegensatzzueinander. Bei den lebenden Wesen halten diese beiden Kraft-formen einander das Gleichgewicht, und wenn dieser Gleich-gewichtszustand fortdauerte, so wäre das Leben auch beständig.Je nachdem die Lebenskraft abnimmt, bekommen die chemischenKräfte einen größeren Spielraum. Dieser Gegensatz erhielt nachGerhardt darin seinen Ausdruck, daß die Lebenskraft aufbaut,synthetisiert, die chemischen Kräfte abbauen, zerstören. AlsLiebig und Wöhler die künstliche Bildung des Harnstoffs ausHarnsäure entdeckten, geriet die gelehrte Welt darüber in Be-wegung. Das Erstaunen, sagt Gerhardt, war noch größer, alsdieselben Chemiker aus der Harnsäure den in der Allantoisflüssig-keit der Kühe enthaltenen Stoff erzeugten, als Piria aus demkristallisierten Stoffe der Weidenrinde das ätherische öl derbpiraea ulmaria erhielt, als Dumas und Stas die Säure der^aldrianwurzel aus dem Kartoffelfuselöl bereiteten. Die sich hier-a u knüpfenden Hoffnungen waren doch übertrieben. Denn allediese Körper sind Verbrennungsprodukte, haben daher eine minderkomplizierte Zusammensetzung als die Substanzen, aus denen sieentstehen, und dies gilt nicht allein für die eben angeführtenubstanzen, sondern auch für alle künstlichen Produkte unsererLaboratorien.

l ) Journ. prakt. Chem. 27, 439 (1842).