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Organische Synthese.
säure mit den sich ihr darbietenden Basen hervorgebracht haben.In beiden Fällen zeigen sich dieselben verwickelten Verhältnisse."Infolge der Mannigfaltigkeit und der komplizierten Zusammen-setzung der organischen Körper schien es indessen, als ob auchdie „Mischungsgesetze" zur Erklärung der Tatsachen hier nichtausreichend wären, „gerade als wenn in denselben noch eine ArtLeben zurückbliebe und ihnen das Siegel der Eigentümlichkeitaufdrückte, woran dieselben sogleich erkannt werden können".
In diesem Zusammenhange kann erwähnt werden, daß Millonden Eigentümlichkeiten der organischen Verbindungen und be-sonders ihrer Trägheit, den chemischen Verbindungsgesetzen zugehorchen, eine sonderbare Erklärung gab (1845). Er glaubte dieUrsache zu diesem Unterschiede darin gefunden zu haben, daß inder unorganischen Zusammensetzung die Verbindung auf derJuxtaposition der Atome beruht, während die in der organischeneinander durchdringen (qu'ils se penetrent), und daß es derKohlenstoff ist, der, von allen anderen Grundstoffen abweichend Tdie Eigenschaft hat, daß seine Atome durchdringlich sind. Darumgibt es auch keine organische Zusammensetzung ohne Kohlenstoff.Die Kohlenstoffatome in der organischen Natur, sagt er, sind sovon Wasserstoff, Stickstoff und Sauerstoff durchdrungen, daß sieeine ganz besondere Art Körper bilden, die nicht durch ihreBestandteile, sondern in ihrer Ganzheit wirken. Berzelius be-merkte mit Recht dagegen, daß mit dem Begriff Atome die Vor-stellung von einem Durchdringen ganz unvereinbar ist, und daßfolglich Millons Erklärung nichts anderes als ein „unlogischesGedicht" sei.
In seinen in den vierziger Jahren veröffentlichten „ChemischenBriefen", wie in seiner Tierchemie (1840), behandelte Liebig auchdie organische Synthese und die Frage von der Lebenskraft. FürLiebig, wie für die Physiologen dieser Zeit, war die Lebens-kraft nicht ganz aus ihrer Stellung als bewegende Ursache, als„Mädchen für alles" entlassen. Aber er machte einen ganz be-stimmten Unterschied zwischen den leblosen Verbindungen undden Stoffen, welche die eigentlichen Träger der Lebenserscheinungensind. Er sagt u. a.: „Unter dem Einflüsse einer nicht chemischenUrsache (Leben, Lebenskraft) wirken in dem Organismus auchchemische Kräfte. Nur infolge dieser beherrschenden Ursacheund nicht von selbst ordnen sich die Elemente und treten zuHarnstoff, zu Taurin zusammen, wie der intelligente Wille desChemikers sie außerhalb des Körpers zwingt, zusammenzutreten.