4 Vorgeschichte.
pries das Vermögen des Weingeistes, alte Menschen jung zumachen und als „consolatio ultima corporis humani". „Ermußte in goldenen Gefäßen aufbewahrt werden." Man kann sichnicht darüber wundern, daß ein Stoff mit den Eigenschaften desAlkohols auch beim Goldmachen eine Rolle spielte, besondersbei der Darstellung des Steines der Weisen und des „Lebens-elixiers". Als Lösungsmittel wurde er beim Bereiten von Tinkturenund Essenzen angewendet.
Die Bereitung des Weines führte schon früh zur Kenntnisdes Weinsteines (tartarus), den bereits die älteren Alchemistenbeschrieben und mit dem eine Menge Versuche gemacht wurden.In der Arzneikunst spielten der Weinstein und die daraus ge-wonnenen Präparate, wie z. B. der Brechweinstein, später einehervorragende Rolle.
Organische Farbstoffe sind seit Jahrtausenden zum Färben> r der Textilfasern benutzt worden. Am allgemeinsten bekannt istwohl der Purpur der Phönizier (aus der Purpurschnecke). DieAufdeckung der Königsgräber hat Gewänder und Bänder zutagegefördert, deren chemische Untersuchung die Anwendung vonKrapp und Indigo ergeben hat. Die Mitteilungen von Pliniuslassen keinen Zweifel, daß die Färbemethoden der Ägypter mitden noch heute angewandten im Prinzip durchaus identisch waren.
Wenn wir noch erwähnen, daß die Bekanntschaft mit ver-schiedenen im Pflanzenreich vorkommenden Stoffen, mit Fettenund flüchtigen ölen, Harzen, Zucker, Gummi, Stärke, Wachs u. a.weit in die Zeit zurückgeht, und daß diese Stoffe auch in derchemischen Experimentierkunst zur Anwendung kamen 1 ), so habenwir die wichtigsten der chemischen Kenntnisse über organischeVerbindungen mitgeteilt, die bis zum Anfang des 16. Jahrhundertsvorhanden waren. Es ist selbstverständlich, daß während deralchemistischen Zeit, da die Metallverwandlung das Hauptziel derWissenschaft war, die mineralischen Stoffe vor allem die Auf-merksamkeit der Chemiker auf sich zogen und der Gegenstandihrer Untersuchungen waren.
Mit dem Auftreten des Paracelsus am Anfang des 16. Jahr-hunderts beginnt das Zeitalter der medizinischen Chemie. Manhätte erwarten können, daß die organischen Verbindungen jetzt,da es vor allem darauf ankam, neue Arzneimittel zu finden, inhohem Grade das Interesse der Chemiker beschäftigen sollten. Dies
x ) Siehe v. Lippmann, Die chemischen Kenntnisse bei Plinius.Naturw. Rundsch. IX, S. 450, 475, 490 (1894).