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Geschichte der organischen Chemie von der ältesten Zeit bis zur Gegenwart
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2 Vorgeschichte.

Dies wurde erst möglich, als man mit Hilfe der organischenAnalyse und der Lehre von den chemischen Proportionen einenEinblick in die verwickelten Zusammensetzungsverhältnisse derorganischen Verbindungen gewonnen hatte.

Der Begriff „Organische Chemie" als ein besonderes Gebietder allgemeinen Chemie war zu dieser Zeit noch fremd oderunklar, er bürgerte sich aber allmählich ein. Die Entwickelungging auf dem neuen Gebiete nun immer rascher vorwärts, undein halbes Jahrhundert später war die Chemie in das Stadiumgetreten, das man als die Zeit der organischen Chemie zu be-zeichnen pflegt.

Schon im Jahre 1839 konnte Berzelius schreiben: „Daschemische Studium der organischen Natur ist einer der inter-essantesten Gegenstände der Naturforschung geworden, ein Lieb-lingsstudium, welches vorzugsweise die größere Zahl der Chemikerbeschäftigt. Die Fortschritte sind erstaunlich, und die Zunahmeunserer Kenntnisse darin seit den letzten 10 bis 12 Jahren vonder Art, daß die organische Chemie eine weit ausgedehntere undumfassendere Wissenschaft geworden ist, als das ganze unver-gleichlich mehr ausgearbeitete Gebiet der unorganischen Chemie,und wieviel ist noch nicht untersucht von bekannten organischenKörpern, wieviel des jetzt noch Unbekannten möchte nicht nochzu entdecken sein."

Wir wollen zunächst einen Blick auf die Vorgeschichte derorganischen Chemie werfen, unsere Aufmerksamkeit kurz auf dieeinzelnen wichtigeren Verbindungen richten, die in älteren Zeitenbekannt waren, sowie auf die Systematisierungsversuche, die hin-sichtlich derselben in der chemischen Literatur hervortreten.

Es ist kein Zufall, daß die erste und einzige im Altertumbekannte Säure eine organische war, nämlich die Essigsäure. Diestärkeren Mineralsäuren kommen nicht in freiem Zustande in derNatur vor. Aber das Sauerwerden des Weines und die aus-gesprochenen Eigenschaften des dabei gebildeten Essigs konntender Aufmerksamkeit der Menschen nicht entgehen. Die ätzendeund auflösende Kraft des Essigs war schon früh bekannt. Siehat den Stoff zu einem der Salomonschen Sprüche geliefert:„Wer einem bösen Herzen Lieder singt, das ist wie ein zer-rissenes Kleid im Winter und wie Essig auf der Kreide." Pliniuserzählt von dem kostbaren Getränk Kleopatras, das durch Auf-lösung echter Perlen in Essig bereitet war. Von der Fähigkeit