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Einleitung. Vorgeschichte der organischen Chemie.
„Aus der Vergangenheit lernen wir die Gegenwartbegreifen und das Kommende vorahnen."
Die organische Chemie ist noch jung — die eigentlichebeschichte derselben umfaßt kaum ein Jahrhundert — aber ihreWurzeln erstrecken sich weit in die Zeit zurück und verlieren sichim Dunkel des Altertums. Diese Vorgeschichte der organischenChemie ist ebenso alt wie die Geschichte der chemischen Kennt-nisse überhaupt. Unter den ältesten Beobachtungen und Erfah-rungen chemischen Inhalts finden sich auch solche, die sich aufStoffe aus dem organischen Gebiete beziehen. Das Kenntnis-material vermehrte sich aber hier viel langsamer als bei denmineralischen Stoffen, die für chemische Beobachtungen undUntersuchungen leichter zugänglich waren. Während der Zeitder alchemistischen Bestrebungen und, sonderbar genug, auchwährend des Zeitalters der medizinischen Chemie waren die Fort-schritte der chemischen Kenntnisse über organische Verbindungenäußerst gering. Erst von der phlogistischen Periode ab, undbesonders während der späteren Hälfte des 18. Jahrhunderts, sindwichtigere neue Beobachtungen und Entdeckungen auf diesemGebiete zu verzeichnen. Aber diese standen noch immer ver-einzelt, ohne äußeren Zusammenhang da. Sie bildeten das nurwenig verarbeitete Rohmaterial, das auf den Platz geschafft war,wo das Gebäude der organischen Chemie ragen sollte.
Durch Lavoisiers Feststellung, daß Kohlenstoff, Wasserstoff,Sauerstoff (und Stickstoff) die konstituierenden Elemente der orga-nischen Verbindungen sind, wurde zwar der Grund einer klarenAuffassung über den inneren Zusammenhang und das chemischek erhalten dieser Körper gelegt, aber erst am Anfang des 19.Jakr-
underts treten bestimmte Versuche hervor, die zerstreuten Be-obachtungen zu ordnen und die Mannigfaltigkeit der Erschei-
nngen unter allgemeine, einheitliche Gesichtspunkte zu bringen.
Hjelt, Gesch. d. organ. Chemie.