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Lehrbuch der Zoologie
Entstehung
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Cölenteraten.

der Stamm, ist äußerst muskulös und enthält im Innern einen vonEntoderm ausgekleideten Centralkanal, ein ISfahrungsreservoir, von demaus die Einzeltiere der Kolonie gespeist werden. Sein vorderes Endeumschließt bei den meisten Arten ein durch Einstülpung des Ectodermsentstandenes, mit Luft gefülltes Säckchen, den Pneumatophor oder dieLuftkammer, welche als hydrostatischer Apparat funktioniert und diesenkrechte Stellung der Kolonie im Meere bedingt.

Die von der Cönosarcachse entspringenden Einzeltiere dienen ver-schiedenen Functionen und sind infolgedessen auch verschieden gebaut.Unmittelbar auf die Luftkammer (/) folgen gewöhnlich mehrere Reihenvon Schwimmglocken, Tiere, welche von der Organisation der Medusenur das zur Fortbewegung Nötige, Glocke und Velum (Fig. 176 s), außer-dem die zur Ernährung dienenden, vom Cönosarcrohr aus versorgten Ring-und Radialkanäle bewahrt haben. Die zumeist anschließenden, zumSchutz dienenden, medusenartigen Tiere, die Deckstücke (d), sind festeGallertplatten und haben auch den Ringkanal, die Muskulatur und dieGlockengestalt der Meduse eingebüßt. Zur Ernährung des Ganzen dienenbesondere Polypen mit trompetenartig erweiterter Mundöffnung, die Freß-polypen (n), welche die Nahrung mittelst reichlich entwickelter Drüsen-zellen verdauen (Leberstreifen, S. 88, Fig. 56) und durch Vermittlungdes Cönosarcrohrs allen übrigen Individuen des Stockes zuführen. Siebesitzen an ihrer Basis den Fangfaden (/"), einen langen, muskelreichenStrang, von welchem feine seitliche Fäden, die Senkfäden, herunterhängen.Die Senkfäden enden mit bunt gefärbten Anschwellungen, welche Nessel-knöpfe heißen, da sie aus dicht gedrängten, auffallend großen Nessel-kapseln bestehen (HI/ 1 , II); sie sind der Grund, weshalb alle Siphono-phoren nesseln, manche in so empfindlicher Weise, daß sie wegen derausgedehnten Verbrennungen, die sie erzeugen, selbst von den Menschengefürchtet werden. Ebenfalls an Polypen erinnern die Taster (/), mund-lose, geschlossene Schläuche, welche durch ihre große Reizbarkeit undBeweglichkeit ausgezeichnet sind. Von allen Tieren der Kolonie entwickelnsich am spätesten die meist prächtig gefärbten Geschlechtstiere. Siegleichen den Gonophoren der Tubularien, verbleiben meist als mehroder minder rückgebildete Sporosacs in der Kolonie und lösen sich nuräußerst selten als kleine, tentakellose Anthomedusert (Chrysomitren) ab.Dem Gesagten zufolge sind die Siphonophören ein ausgezeichnetes Bei-spiel für Arbeitsteilung und den dadurch bedingten Polymorphismusder Individuen; letzterer kann innerhalb der Ordnung einen so hohenGrad erreichen, daß manche Siphonophoren durchaus den Eindruck ein-heitlicher Individuen mit einer Vielheit von Organen machen.

1. Calycophoreen (Calyconecteri). Am vorderen Ende keine Luft-flasche, sondern 12 große Schwimmglocken (Fig. 110), die übrigenIndividuen sitzen in Abständen voneinander, zu kleinen Gruppen vereint,welche häufig vor Eintritt der Geschlechtsreife sich ablösen und daherfrüher unter dem Namen Eudoxien als selbständige Tiere beschriebenwurden. Praya maxima Gegenb. 2. Physophoreen (Physonecten)(Fig. 176). Luftflasche vorhanden, aber klein; auf die Luftflasche folgteine Säule von Schwimmglocken, dann die übrigen Individuen der Kolonie.Physophora hydrostatica Forsk., Apolemia uvaria Less., äußerst schmerz-haft nesselnd. 3. Physaleen (Cystonecten). Luftflasche stark ver-größert, füllt den gesamten Cönosarckanal aus, auf dessen untere Seiteder Ursprung der Einzeltiere beschränkt bleibt. Die Tiere schwimmenstets an der Oberfläche des Wassers und treiben, zum Teil über den