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Lehrbuch der Zoologie
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IV. Ciliaten: Bau.

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fibi'illen, welche zwischen Pellicula und Ectosark verlaufen und ihreAnwesenheit durch rasche, zuckende Bewegungen des Tieres verkünden.

Äußerst interessant sind die Kernverhältnisse, insofern eine Haupt-undSonderung in zweierlei, physiologisch ungleichwertige Kerne, Haupt- undNebenkern, eingetreten ist. Der Hauptkern (Nucleus der älteren,Macronucleus der neueren Autoren) ist ein großer ovaler, Stäbchen- oderrosenkranzförmiger Körper, der sich intensiv in Farbeflüssigkeiten färbtund von einer Membran umschlossen ist; unter seinem Einfluß scheinensich alle gewöhnlichen Lebensverrichtungen (Bewegung, Ernährung etc.)zu vollziehen. Neben ihm oder in einer Nische seines Körpers einge-bettet liegt der sehr viel kleinere Nebenkern (Micronucleus, früherNucleolus genannt), der sich gewöhnlich schwächer färbt und nur bei denFortpflanzungserscheinungen eine Rolle spielt. Da er bei allen geschlecht-lichen Vorgängen besonders in den Vordergrund tritt, kann man ihngeradezu Geschlechtskern nennen.

Die Vermehrung der Infusorien erfolgt durch Zweiteilung Teilung.(Fig. 147, 152, 153), seltener, und dann nur im encystierten Zustand,durch Teilung in zahlreiche (bis zu 64) Stücke; bei Peritrichen undSuctoricn wurde auch Knospung beobachtet. Stets teilt sich zuerst derNebenkern unter Spindelbildung, sehr viel später der Hauptkern durchStreckung und bisluiitförmige Einschnürung. Die alte Mundöffnung (p) ver-bleibt im vorderen Teilsprößling, doch schnürt sich öfters von ihr eineAusstülpung (Fig. 147 - o) ab, welche dem hinteren Sprößling zufälltund sich in ihm zu einer neuen Mundöffnung entwickelt.

Die Perioden der Teilung werden von Zeit zu Zeit durch die ge- Conjugation.schlechtlichen Vorgänge der Conjugation unterbrochen, welche wir imfolgenden für die Paramäcien schildern wollen (Fig. 148). Zwei Para-mäcien legen sich zunächst mit den vorderen Enden, später fast mitihren ganzen ventralen Seiten aneinander, so daß Mundöffnung gegenMundöffnung steht. In der Nachbarschaft der letzteren bildet sich aufvorgerückten Stadien der Conjugation eine Verwachsungsbrücke; schließ-lich gehen die Tiere auseinander, und regenerieren ihre verloren gegan-genen Mundöffnungen. Während dieser äußerlich leicht erkennbarenVorgänge hat sich im Innern eine vollkommene Umgestaltung des Kern-apparats vollzogen. Der Hauptkern wächst in Fortsätze aus, welche sichin kleine Stücke zerlegen; diese verschwinden in den ersten Wochennach aufgehobener Conjugation (wahrscheinlich meist durch Resorption)und machen einem neuen Kern Platz, einem Abkömmlung des Neben-kerns. Die Nebenkerne werden am Anfang der Conjugation zuSpindeln, welche in jedem Tier durch zweimalige Teilung vier Spindelnliefern. Von den vier Spindeln gehen drei, die Neben spindein, zu-grunde und erinnern so an das Schicksal der Richtungskörper bei derEireife; die vierte, die Hauptspindel, stellt sich in der Gegend derMundöffnung senkrecht zur Körperoberfläche ein und teilt sich aufs neue inzwei Kerne, den oberflächlichen Kern, den Wanderkern oder männ-lichen Kern, und den tiefer gelegenen, den stationären oder weib-lichen Kern. Die männlichen Kerne der beiden copulierten Tiere werdenausgetauscht, indem sie sich auf der zu diesem Zweck gebildeten Proto-plasmabrücke aneinander vorbeischieben. Nach dem Austausch verschmilztder übergetretene Kern mit dem zurückgebliebenen weiblichen Kernzum Teilkern. Gewöhnlich bewahren die Kerne während dieser Vor-gänge die Spindelstructur. Zum Schluß einer Reihe komplizierter,bei den einzelnen Infusorien verschieden verlaufender Vorgänge ent-