Druckschrift 
Lehrbuch der Zoologie
Entstehung
Seite
185
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

III. Sporozoen: Sarcosporidien.

185

und mit Pseudopodien versehen. Im Innern parenchymatöser Organe,wie Herz, Niere, Leber, Hirn. Muskeln etc., sind sie gewöhnlich von einerCystenmembran umgeben; hier erzeugen sie ganz gewaltige Zerstörungen.Anfangs zweikernig, werden sie bald vielkernig; wahrscheinlich könnensie sich auch durch Teilungen vermehren. Noch ehe das Körperwachstumbeendet ist, beginnt die Sporulation. Daher spricht man auch von..Neosporidien L \ Im Innern sondern sich einzelne kugelige Protoplasma-körper ab, die anfangs nur einen Kern, später viele Kerne (10 undmehr) enthalten. Aus jeder Protoplasmakugel gehen 2 bis viele Sporenhervor, die sogenanntenPsorospermien". Für diese (3) ist es charak-teristisch, daß sie von einer zweiklappigen Schale umgeben sind und außereinem zweikernigen Keimling 1, 2 oder 4 Polkapseln umschließen; letzteregleichen im Bau den Nesselkapseln der Cölenteraten, sind wie diese ovaleKapseln und enthalten Fäden, die unter bestimmten Verhältnissen aus-geschleudert werden (2) und die Aufgabe haben, die Psorospermien zubefestigen, damit die kleinen in ihnen enthaltenen amöboiden Keime beimAuskriechen in die Gewebe des Wirts gelangen können. Experimentellist festgestellt, daß die Entladung der Polkapseln durch die Darmsäfteder Fische verursacht wird, was es wahrscheinlich macht, daß die Infektionder Fische vom Darm aus erfolgt.

Die Myxosporidien erzeugen häufig heftige Fischepidemien, soMyxobolus Pfeifferi Thel. die Beulenkrankheit der Barben. MyxidiumLieberkilhni Bütsohli lebt in der Harnblase von Hechten. Auch dieKrankheiten vieler wirbelloser Tiere sind durch Myxosporidien bedingt,so die berüchtigte Pebrinekrankheit der Seidenraupe durch das auch dieEier infizierende Nosema (Glugea) bombycis Naegeli. Den Myxosporidiensteht ein Parasit in der Nasenschleimhaut des Menschen, das in denTropen vorkommende Rhinosporidhim hominis, nahe.

V. Ordnung. Sarcosporidien.

Die Sarcosporidien (Fig. 146), auch Rain ey-Mies eher seheSchläuche genannt, finden sich in den quergestreiften Muskeln der Wirbel-tiere, besonders der Säugetiere; es sind ovale, zwischen die Fibrillen derSarcolemmschläuche eingelagerte Cysten, deren Kapsel radialstreitig ist,als wäre sie von Porenkanälchen durchbohrt oder aus Stäbchen zusammen-gesetzt, Der Inhalt reifer Cysten besteht aus Sporen, die in ein Stromaeingebettet sind und zahlreiche nieren- oder sichelförmige Sporozoiteumschließen. Sarcocystis miescheriana Kühn in Muskeln des Schweins,S. inuris Blanch, in Muskeln der Maus, S. Lindemanni Rivolta seltenin Muskeln des Menschen.

IV. Klasse.Ciliaten, Wimperinfusorien.

Mit den Rhizopodcn rivalisieren an Mannigfaltigkeit der Arten undZahl der Individuen die Wimperinfusorien oder Ciliaten, Tiere von sokompliziertem Bau, daß derselbe lange Zeit als ein sicherer Beweis derVielzelligkeit galt. Alle Infusorien haben eine für die jeweilige Art be-stimmte Körpergestalt; dieselbe ist bei denametabolen" Formen voll-kommen unveränderlich, während diemetaboleir - Infusorien unter Ein-schnürungen der Körperoberfiäche sich durch enge Passagen hindurch-winden können; nach Überwindung des Hindernisses kehren jedoch auch