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Allgemeine Zoologie.
Polymor-phismus.
bleiben erhalten, welche die Teilstücke untereinander oder die Knospenmit ihrem Muttertier vereinigen. Die marinen Stöcke der Corallen undHydroiden (Fig. 94) können aus Tausenden von Individuen bestehen,welche durch fortgesetzte unvollkommene Knospung oder Teilung voneinem einzigen geschlechtlich erzeugten Muttertier abstammen.
Der Zusammenhang der Gewebe bedingt in der Mehrzahl der Fälleeinen hohen Grad von Gemeinsamkeit der Functionen. Reize, welcheein Individuum treffen, werden durch verbindende Nerven den übrigenTieren des Stockes mitgeteilt und so einheitliche Bewegungen ermög-licht. Die von einem Tier erbeutete und verdaute Nahrung kommtdem gesamten Stock zugute. Vermöge der Gemeinsamkeit seiner Func-tionen erscheint ein Stock wie einIndividuum höherer Ordnung; eswiederholt sich ein analoger Prozeß.wie er zur Bildung vielzelliger Or-ganismen führt. Wie dort die Ele-mentarorganismen, die Zellen (In-dividuen I. Ordnung), zum Einzel-tier (Individuum II. Ordnung) ver-bunden bleiben, so hier die Einzel-tiere zum Stock (Individuum III.Ordnung).
Wo ein Ganzes aus zahl-reichen gleichwertigen Teilen be-steht, sind die Bedingungen zurArbeitsteilung gegeben. Anstattdaß die Functionen der Gesamtheitsich gleichmäßig auf die Einzel-stücke verteilen, werden mancheder letzteren mehr für diese, anderewiederum mehr für jene Functiongeschickt und erhalten eine dem-entsprechentle Organisation. Beisolchen Tierstöcken spricht mandann von Vielgestaltigkeit oderPolymorphismus. Der Polymor-phismus äußert sich am häufigstenauf dem Gebiet der vegetativenFunctionen, indem er zu einemGegensatz von Geschlechtstierenund Nährtieren führt, wie bei denmeisten Hydrozoen, bei denen nichtselten die Ernährung durch Tiere ohne Geschlechtsorgane und die Fort-pflanzung durch Tiere ohne Mund besorgt wird. Aber auch die übrigenFunctionen, wie Fortbewegung, Empfindung, Schutz und Trutz, könnenspezialisiert werden. Das klassische Beispiel für Polymorphismus sinddie Siphonophören (Fig. 110). Zu einem einzigen Körper vereint sindhier locomotorische Tiere, die Schwimmglocken, welche nur der Bewegungdienen, Deckstücke, welche nur die übrigen beschützen, Freßpolypen,welche nur Nahrung aufnehmen und verdauen, Geschlechtstiere undTastpolypen, welche nur die geschlechtliche Fortpflanzung, beziehungsweise■die Empfindung vermitteln. Rücksichtlich der übrigen Functionen istliier jedes Tier auf seine Geschwister angewiesen; seine Existenz ist
Fig. 110. Praya diphyes (nach Gegen-Ijaur). B das ganze Tier, A eine einzelneIndividuengruppe stärker vergrößert(Eudoxie).i Deckstück, 2 Freßpolyp, 3 Senkfaden, 4G eschlechtsglocke.