96
Allgemeine Zoologie.
Beide Ausdrücke sind, wie ans dem oben gegebenen Schema ersehenwerden kann, durchaus ungeeignet, weil sie zu der falschen Auffassungführen können, als ob Venen immer kohlensäurereiches Blut und Arterienimmer sauerstoffreiches Blut führen müßten. Demgegenüber lehrt dasSchema, daß im respiratorischen Kreislauf (kleinen Kreislauf) die Ver-hältnisse umgekehrt sein müssen wie im Körperkreislauf, indem die Ar-terien hier „venöses", die Venen dagegen „arterielles" Blut enthalten.Geschiosse- Ein Blutgefäßsystem, wie wir es bisher besprochen haben, nennen
offenesBkit-wir ein geschlossenes, weil das Blut stets in besonderen, mit eigenen
« efäßs y stein -Wandungen ausgerüsteten Röhren fließt.
Dem geschlossenen steht das
Lymph-gefäße.
Kalt- undWarmblüter
offene Blutgefäßsystem gegenüber; hier verlieren die Blutgefäßenach einiger Zeit den Charakter von Röhren, und werden zu weitenHohlräumen, welche ohne besondere Wandungen sich zwischen die Ein-geweide und Organe einschieben. Das beste Beispiel eines offenen Blut-gefäßsystems liefern viele Crustaceen, die Insecten und Tausendfüßler,welche nur* das Herz und ganz kurze Arterienstämme besitzen. Ausden Enden der Arterienstümpfe tritt das Blut in einen Raum, den manLeibeshöhle nennt, obwohl man es als sicher betrachten kann, daß erdurch Ausweitung der Blutbahn entstanden und mit dem echten „Cölom"(Enterocöl) nicht identisch ist. Man spricht, um dies Verhältnis zumAusdruck zu bringen, von einem Schizocöl. Aus der Leibeshöhle ge-langt das Blut durch seitliche Spalten (Ostien) wieder in das Herz zurück(Fig. 65). Innerhalb des Stammes der Arthropoden und der Molluskensind zwischen einem so extremen Fall von offenem Blutgefäßsystem undeinem nahezu geschlossenen alle Übergänge vorhanden. Hier offenbartsich aufs neue die engste Correlation der Circulations- und Re-spirationsorgane, und zwar kommt den letzteren abermals der be-stimmende Einfluß zu. Wenn die Atmung über oder durch den Körperdiffus verbreitet ist und die Verteilung des Sauerstoffs ohne besondereGefäße von selbst sich regelt, ist der Circulationsapparat sehr einfach;er wird dagegen differenziert in Herz. Arterien. Venen und Capillaren,wenn die Atmung an bestimmte, beschränkte Stellen geknüpft ist unddadurch eine regelmäßige Verteilung des Sauerstoffs nötig macht. Manvergleiche hierüber das Genauere bei Crustaceen, Spinnen und In-secten.
Ein besonderer Abschnitt des Blutgefäßapparats ist endlich das nurbei Wirbeltieren vorkommende Lymphgefäßsystem. Im Capillarbezirkdes Körpers können gelöste Eiweißstoffe wohl in die Gewebe übertreten,ein etwaiger Überschuß kann aber wegen des in den Capillaren herrschen-den höheren Druckes nicht auf dem gleichen Wege wieder in die Blut-gefäße zurückgelangen. Dieser Überschuß wird durch die Lymphgefäßein die Venen zurückgeführt. Die Lymphgefäße beginnen mit den Gewebs-lücken, aus denen sie sich erst allmählich zu Gefäßen mit deutlichenWandungen herausbilden. Besonders wichtig werden die Lymphgefäßedes Darms, indem sie während der Verdauung sich mit den Eiweiß- undFettbestandteilen der verdauten Nahrung beladen; man nennt sie Chylus-gefäße, weil dann ihr Inhalt, der Chylus, sich durch seine milchigeFärbung von gewöhnlicher Lymphe unterscheidet.
Im Anschluß an das Blutgefäßsystem mögen noch zwei Ausdrücke^Erläuterung finden, welche auch in Laienkreisen viel angewandt, meistaber nicht richtig verstanden werden; Kaltblüter und Warmblüter oder,wie es richtiger heißen sollte, wechselwarme und eigenwarme Tiere.Unter wechselwarmen (poikilothermen) oder kaltblütigen Tieren ver-
<<
It
fsrI
E
S
e