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Lehrbuch der Zoologie
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Allgemeine Zoologie.

Kiemen. Die Kiemen sind meist dünnwandige, häufig mit Wimperepithel

überzogene Partien der Haut, welche von Blutgefäßen besonders reichversorgt werden und zu vielfach verästelten, buschartigen Anhängen oderbreiten Blättern emporgewachsen sind, um für den Gasaustausch einemöglichst große Oberfläche zu bieten; sie liegen an solchen Stellen,welche mit frischem Wasser am meisten in Berührung kommen: bei denKrebsen z. B. an den in beständiger Bewegung begriffenen und neuesWasser herbeistrudelnden Beinen (Fig. 60), bei schwimmenden Würmernam Rücken, bei röhrenbewohnenden Würmern (Fig. 61) am vorderen,aus der Röhre herausragenden Körperende. Bei den durch Kiemenatmenden Wirbeltieren sowie den Tunicaten und Enteropneusten istauch der Darm, und zwar der vordere Abschnitt desselben bei derKiemenbildung beteiligt, indem er links und rechts Ausstülpungen, welcheauf der Oberfläche der Haut sich öffnen, die Kiemenspalten erzeugt.Durch die Kiemenspalten tritt sauerstoffhaltiges Wasser aus und einund bespült bei den Wirbeltieren die hier angebrachten, reichlich mitBlutgefäßen versorgten Kiemenblättchen (über deren Zugehörigkeit zurHaut vergl. die Wirbeltiere). Auch der Enddarm kann bei manchenFischen, Insecten und Würmern als ein Hilfsapparat der Atmung ver-wandt werden, indem er sich von Zeit zu Zeit mit frischem Wasser füllt.Bei den Luft atmenden Tieren begegnen wir ebenfalls den beidenMöglichkeiten, daß die Atmungsapparate vom Darm oder von der Hautausgehen. Bei den Wirbeltieren ist das erstere der Fall, indem die dieAtemluft enthaltenden Lungen hier direkt oder durch Vermittelung vonTrachea und Bronchien mit dem Darmrohr in Verbindung stehen. Wendetman dagegen den AusdruckLunge" bei wirbellosen Tieren {Schneckenund Spinnen) an, so handelt es sich stets um Luftsäcke der Haut, undebenso sind die Tracheen der Insecten Luftröhren, die an der Körper-oberfläche mit Öffnungen oder Stigmen beginnen und sich im Innernverzweigen (Fig. 58 st). Im allgemeinen läßt sich somit ein Gegensatzzwischen den Wirbeltieren und den Wirbellosen konstatieren, insofernbei letzteren die Haut die Atmungswerkzeuge liefert, bei ersteren derDarm zum mindesten an ihrer Bildung beteiligt ist,

Von der Atmung im engeren Sinn muß die Gewebsatmung unter-schieden werden, die den entgegengesetzten Prozeß vermittelt, Abgabedes Sauerstoffs an die iünotionierenden Gewebe, Aufnahme der Kohlen-säure, welche bei den Oxydationsprozessen entsteht, welche die Arbeits-leistung der Gewebe und die Wärmeentwicklung ermöglichen.

Gastiai- III. Circulationsapparat. Damit der durch die Atmungsorgane

Gas! 1-' aufgenommene Sauerstoff und die im Darm verdauten Nahrungsbestand-TsTe'm' teile ihr Endziel, die Gewebe, erreichen, bedarf es keiner besonderenOrgane, solange als der Körper nur aus zwei dünnen Epithellagen, demEctoderm und Entoderm, besteht. Wenn sich dagegen zwischen die-selben das Mesoderm einschiebt und der Körper voluminöser wird, sowerden meist Einrichtungen für die Nahrungsverteilung getroffen. Amunmittelbarsten wird letztere erreicht, wenn der Darm die Beschaffenheiteines einfachen Rohres aufgibt und entweder einige wenige weite Aus-sackungen, Gastraltaschen, treibt oder sich verästelt, um mit seinenVerzweigungen die einzelnen Körperprovinzen aufzusuchen. Im letzterenFalle spricht man von einem Gastrovascularsystem, weil der Darmdie den Gefäßen, denVascula 1 -, eigentümliche Function und verzweigteAnordnung gewinnt (Fig. 62).