90
Allgemeine Zoologie.
man den kurzen, sowohl zur Abfuhr von Harn und Fäkalien, wie zurAusleitung der Geschlechtsprodukte dienenden Endabschnitt Kloake (p).Zu dem Darmkanal gesellen sich bei höher organisierten Tieren nochAnhangsorgane. So münden in die Mundhöhle der meisten WirbeltiereSpeicheldrüsen (Glandulae salivales), in den an den Magen grenzendenTeil des Dünndarms die meist mit einer Gallenblase (f) versehene Leber(e) und das Pancreas (h) oder die Bauchspeicheldrüse. Am Enddarmfinden sich ab und zu Analdrüsen, die ein stinkiges Secret bereiten.
Was nun die Function anlangt, so besitzt das Darmsystem (abgesehenvon der etwa nötig werdenden Zerkleinerung der Speise) die Aufgabe:
1. die Nahrung zu verdauen, d. h. in einen gelösten Zustand zu versetzen,
2. das Verdaute zu resorbieren, d.h. in die Gewebe resp. Blut- und Lymph-gefäße überzuleiten. Die Verdauung erfolgt durch flüssige Fermente(Enzyme), Substanzen, welche die Fähigkeit haben, ohne wie es scheintselbst Umänderungen zu erfahren, in bestimmten anderen chemischen Sub-stanzen Umsetzungen herbeizuführen. So verwandelt das Pepsin der Lab-drüsen im Magen der Wirbeltiere bei Anwesenheit von Salzsäure das Eiweißder Nahrung in lösliches Pepton, das Trypsin des Pancreas verdautEiweiß in alkalischer Lösung, das Steapsin der Galle verseift die Fette undmacht sie resorbierbar, das Ptyalin der Speicheldrüsen verwandelt Stärkein Zucker. Die resorbierten Substanzen werden dann an die Gewebeverteilt und hier assimiliert, d. h. so umgewandelt und eingefügt, daßsie einen Teil der lebenden und functionierenden Structuren, der Muskeln,Nerven, Zellen etc. ausmachen. Bei den Wirbeltieren ist nun eineArbeitsteilung in der Weise eingetreten, daß die Drüsen ausschließlichVerdauungssecrete liefern, die Darmschleimhaut vorwiegend der Resorptiondient. Bei den Wirbellosen ist diese Arbeitsteilung nicht in gleichemMaße fortgeschritten. Die Verwendung der aus der Wirbeltieranatomiestammenden Namen kann daher leicht über die Function der betreffendenOrgane irre führen. Wenn wir von Leber und Leberschläuchen bei Crusta-ceen, Spinnen und Mollusken sprechen, so ist zu beachten, daß die be-treffenden Organe nicht nur außer Fetten auch Eiweiß und Cellulose ver-dauen (Hepatopancreas), sondern auch an der Resorption der Nahrung einenbedeutenden Anteil nehmen. — Bei Protozoen finden wir cellulare Ver-dauung, bei welcher die Nahrungsbestandteile in das Protoplasma der Zelleaufgenommen werden. Ähnliches kommt auch bei manchen Cölenteratenvor: daß die einzelnen Entodermzellen die Nahrung zum Zweck der Ver-dauung fressen. Doch findet sich bei Cölenteraten auch schon Verdauungim Lumen des Darms durch ausgeschiedene Verdauungssäfte.
Jeder nur einigermaßen reicher gegliederte Darm besteht nicht nuraus ectodermalem und entodermalem Epithel, sondern auch aus meso-dermalem Gewebe, welches sich der Epithelauskleidung anschmiegt. Inihm kann man außer Bindesubstanz vor allem noch Muskelgewebe (meistglatte, seltener quergestreifte contractile Faserzellen) unterscheiden. Diesedem Darmepithel angeschlossene Mesoclermschicht heißt Darmfaserblatt(Splanchnopleura): sie verleiht dem Darm eine für die Fortbewegungseines Inhalts wichtige, von den allgemeinen Körperbewegungen unab-hängige Beweglichkeit (Peristaltik). Ist sie nicht vorhanden, so mußihre Wirksamkeit durch die auch den Darm beeinflussenden Contractionender Körpermuskulatur ersetzt werden, oder das Darmepithel trägt einendie Fortbewegung vermittelnden Wimperüberzug. — Die Länge des Darm-rohrs wird vornehmlich von der Art der Nahrung beeinflußt. Bei Säuge-
^