Allgemeine Zoologie.
89
dermalen Vorderarm oder das Stomodaeum (Fig. 57). Von den höherenWürmern an gesellt sich dazu eine zweite Einstülpung am hinteren Ende,der ebenfalls ectodermale Enddarm oder das Proctodaeum (Fig. 58);dieses legt sich entwicklungsgeschichtlich als ein Blindsack an, dessengeschlossenes Ende an den ebenfalls geschlossenen Grund des Archen-teron, nunmehr auch Mesenteron oder Mitteldarm genannt, angrenzt,bis die Scheidewand schwindet, so daß nunmehr der Darm zu einem denganzen Körper durchziehenden Kanal wird.
Der Anteil, welchen das Archenteron im Vergleich zu dem ecto-dermalen Proctodaeum und Stomodaeum am Aufbau des Gesamtdarmsnimmt, ist nach den einzelnen Tierstämmen sehr verschieden. Den größtenKontrast bilden die Insecten einerseits, die Wirbeltiere andererseits.Die Insecten haben einen sehr kurzen Mitteldarm, dagegen lange, ecto-dermale Darmstrecken. Bei den Wirbeltieren sind umgekehrt der ecto-dermale Vorder- und Hinterdarm äußerst kurz.
Die Weite des Lumens wechseltim Verlaufe des Darmkanals und er-möglicht die Unterscheidung verschie-dener Abteilungen, welche man soweitals möglich in der Tierreihe mit einereinheitlichen Nomenklatur versehen hat.Die vom Haushuhn entnommene Ab-bildung der Fig. 59 möge zur Erläu-terung der üblichen Bezeichnungendienen. An die Mundöffnung schließtsich ein weiter Raum an, den manhäutig in einen vorderen Abschnitt, dieMundhöhle, und einen hinteren, denPharynx, abteilen kann. Eine nunfolgende engere Röhre ist die Speise-röhre oder der Ösophagus (ei); siekann stellenweise erweitert sein odereine beutelartige Ausstülpung zur pro-visorischen Aufnahme der Nahrungtragen, den Kropf oder Ingluvies (<5).Vom Ösophagus tritt die Nahrung ineine ansehnliche Erweiterung, den Ma-gen. Die Vögel, wie viele andere Tiere,haben einen doppelten Magen, eine mitDrüsen ausgerüstete, dünnwandige Ab-teilung und eine zweite Abteilung, derenWände durch dicke Muskelmassen aus-gezeichnet sind; erstere ist der Drü-senmagen (e), letztere der zur Zer-kleinerung der Nahrung dienende Kau-magen (d). Nach dem Magen verengtsich das Darmrohr zum Dünndarm (/?),zu welchem als letzter Abschnitt derwiederum verbreiterte Dickdarm (/)kommt. An der Grenze von Dünn- und Dickdarm finden sich 2 Blind-därme, die Coeca (k). Verbinden sich mit dem Afterdarm noch dieAusführgänge der Niere (/;/) und des Geschlechtsapparats (n), so nennt
Fig. 59. Darm des Haushuhns.a Ösophagus, b Kropf, c Drüsenmagen,d Kaumagen, e Leher, / Gallenblase,g Pancreas, h und i Dünndarm, kBlindsäcke, / Dickdarm, m Ureteren,n Eileiter, o Kloake.