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Lehrbuch der Zoologie
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85
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Allgemeine Zoologie. 80

Menge vorkommen. Ein Mensch hat viele Muskeln, vielerlei Organe,welche die Verdauung unterhalten. Man faßt daher alle Organe, die imKörper gleichartig oder ähnlich functionieren, zu einer ideellen, höherenEinheit zusammen und spricht von Organsystemen. Man kennt im ganzen10 solcher Systeme: 1. Skelettsystem, 2. Integument oder Haut, 3. Ver-dauungssystem, 4. Respirationssystem, 5. Blutgefäßsystem, 6. ExcretorischesSystem, 7. Genitalsystem, 8. Muskelsystem, 9. Nervensystem, 10. System derSinnesorgane. Sie müssen nicht alle vorhanden sein; das Skelett z. B.fehlt vielen Tieren. Verschiedenerlei Functionen, welche beim Menschenauf mehrere komplizierte und spezialisierte Organsysteme verteilt sind,können bei niederen Tieren durch einen und denselben Apparat ver-mittelt werden. Überall aber kann man nach den Grundfunctionen desLebens folgende Organgruppen aufstellen: I. Organe der Ernährung(3(i). IL Organe der Fortpflanzung (7), III. Organe der Bewegung(8), IV. Organe der Empfindung (!) und 10).

Die Organe der Ernährunjr und Fortpflanzung (I und II) faßt man v fg eta . tiv «

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als vegetative Organe, die übrigen als animale (III und IV) Organe Organe,zusammen. Die älteren Zoologen wollten damit sagen, daß Ernährungund Fortpflanzung Functionen seien, welche in gleicher Weise Tierenund Pflanzen zukommen, daß dagegen Empfindung und Bewegung denPflanzen fehlen und sich nur bei Tieren finden. Die in der Grundideeauf etwas Richtiges hinzielende Lehre bedarf nach unserem jetzigenWissen einer wesentlich veränderten Fassung. Wir haben gesehen, daßdas Protoplasma bei Pflanzen und Tieren nicht nur die Fähigkeit sichzu ernähren und fortzupflanzen, sondern auch Bewegungsfähigkeit undReizbarkeit besitzt. Letztere Eigenschaften können somit auch der ge-samten Pflanze nicht vollkommen abgehen, wenn sie dem wichtigstenBestandteil derselben zukommen. In der Tat zeigen ja auch manchePflanzen, wie Mimosen, die Kompaßpflanze, die insectenfressenden Pflanzen,große Reizbarkeit, und viele niedere Pflanzen, die Fortpflanzungszuständeder Algen, bewegen sich ebenso lebhaft oder noch lebhafter als mancheniedere Tiere. Umgekehrt gibt es zahlreiche Tiere, welche wie Pflanzenfestgewachsen sind. Viele Protozoen und Würmer, die meisten Pflanzen-tiere, einige Stachelhäuter, wie die Scelilien, ja sogar manche Krebse,die Cirripedicn, zeigen nur während der frühesten EntwicklungsstadienOrtsbewegung und sind später auf die Bewegung einzelner Körperteile,der 4rme, Tentakeln, Scheinfiißchen etc. beschränkt. Bei den meistenSchwämmen sind sogar die auf bestimmte Körperstellen lokalisiertenBewegungen so unbedeutend, dass sie mit unbewaffnetem Auge gar nichtund selbst mit Hilfe des Mikroskops nur schwierig nachgewiesen werdenkönnen. Gleichwohl müssen die beiden Bezeichnungen: animal und vege-tativ beibehalten werden. Denn wenn auch Bewegung und Empfindungden Pflanzen nicht fremd sind, so sind sie doch im Pflanzenreich zukeiner hohen Ausbildung gelangt. Man kann sogar sagen, daß sie mehrund mehr in den Hintergrund gedrängt werden, je höher sich die Pflanzeentwickelt. Umgekehrt entfalten sie sich im Tierreich zu außerordent-licher Vervollkommnung und bedingen die charakteristische Erscheinungs-weise desselben.

Haut und Skelett.

Mit seltenen Ausnahmen, die noch nicht vollkommen aufgeklärtsind (Cestoden, Trematoden, Nematoden) finden wir die Oberfläche