Druckschrift 
Lehrbuch der Zoologie
Entstehung
Seite
75
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Allgemeine Zoolos

75

des Gasaustausches; beides hängt damit zusammen, daß das Stroma denBlutfarbstoff oder das Hämoglobin enthält. Das Hämoglobin gehörtzu den wenigen krystallisierbaren Eiweißkörpern und ist ausgezeichnetdurch einen geringen Gehalt an Eisen und durch seine Wahlverwandt-schaft zu Sauerstoff. Sauerstoffhaltiges Hämoglobin oder Oxyhämoglobinbedingt die karminartige Farbe des sogenannten arteriellen Blutes,welches von den Atmungsorganen abströmt und an die functionierenden,Kohlensäure produzierenden Gewebe den Sauerstoff abgibt; sauerstoffreies,„reduziertes" Hämoglobin bedingt die dunkelrote, ins Bläuliche schimmerndeFarbe des venösen Blutes, welches die bei der Function entstandeneKohlensäure von den Geweben aufnimmt.

Vom Blut unterscheidet sich die Lymphe durch den gänzlichenMangel der roten Blutkörperchen und die geringere Gerinnungsfähigkeitihres Plasmas. Lymphe ist somit eine eiweißhaltige Flüssigkeit mitweißen Blutzellen, welche deshalb auch die Lymphkörperchen heißen.

Bei den meisten wirbellosen Tieren ist nur eine Art von ernäh-render Flüssigkeit vorhanden und auch diese nicht einmal bei allen Klassen;die Flüssigkeit wird Blut genannt, obwohl sie gewöhnlich farblos ist. WoFärbung vorkommt, ist dieselbe am häufigsten eine gelblich rote oderintensiv rote: sie kann sogar, ähnlich wie bei den Wirbeltieren, durchHämoglobin bedingt sein (unter den Mollusken bei Planorben, Areatetragona, A. noae, Solen legumen, Tellina planata, Pectunculus glyci-meris und anderen, unter Anneliden bei Capitelliden, Glycera, Poly-cirrus, Leprea, Blutegeln, Regenivürmern, unter Insecten bei Chirono-mus). Anstatt des Hämoglobins finden sich vielfach andere Farbstoffe:bei Tintenfischen, manchen Schnecken und Muscheln, beim Hummerund manchen Krabben das bei Sauerstoffzutritt sich bläuende schwachkupferhaltige Hämocyanin, bei Sipunculiden Hämerythrin etc. Sitzder Färbung ist in der Regel das Blutplasma [Chironomus, Hirudineen,Regenwürmer und die meisten Anneliden); nur ausnahmsweise kommengefärbte Blutkörperchen vor, wie bei Area, Solen und den übrigen oben-genannten Muscheln, ferner bei der Gattung Phoronis. Gefärbte, mitBlutkörperchen identische, Hämoglobin enthaltende Elemente finden sichaußerdem in der Leibeshöhlenflüssigkeit mancher Anneliden {Capitelliden,Glycera, Leprea, Polycirrus) und in den Ambulacralgefäßen von Echi-nodermen (Ophiactis virens, einigen Holothurien) vor. — Am ver-breitetsten sind bei wirbellosen Tieren die Leucocyten, welche sich durchlebhafte amöboide Beweglichkeit auszeichnen; indessen können sie ebenfallsfehlen, so daß dann das Blut eine Flüssigkeit ohne geformte Körperchen ist.

3. Muskelgewebe.

Functionen am schärfsten charakterisiert ist das Muskelgewebe, in-sofern es Träger der aktiven Bewegungen im tierischen Körper ist. Danun auch dem Protoplasma aktive Beweglichkeit zukommt, ist es wichtig,die Unterschiede zwischen beiden Bewegungsweisen zu erörtern. DieUnterschiede sind gegeben in der Richtung und in der Intensität derBewegung. Ein Protoplasmaklümpchen hat die Fähigkeit, nach allenEichtungen hin zu wandern, weil in seinem Innern eine hochgradigeVerschiebbarkeit der kleinsten Teilchen gegeneinander besteht. Alle Mus-keln und dementsprechend auch ihre einzelnen Elemente, die Muskelfasernund Muskelnbrillen, besitzen dagegen nur die Fähigkeit der Verkürzungunter gleichzeitiger Zunahme des Querschnitts (Fig. 46); sie können daher