Allgemeine Zoologie.
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Bei der Fortpflanzung der einfachsten Algen ergab sich, daß das Proto-plasma mancher Zellen samt den Chlorophyllkörnern sich zu einem ovalenKörper zusammenballte, daß dieser Körper das Gehäuse der Zellmembranverließ, um im Wasser frei herumzuschwimmen. Da das Zellgehäuse keineLebenserscheinungen mehr zeigte, der Protoplasmakörper dagegen zurRuhe kam und eine neue Pflanze bildete, so war unzweifelhaft bewiesen,daß dieser der wichtigste Bestandteil der Pflanze sei (vergl. Fig. 113).
2. In der tierischen Gewebelehre kam die Bedeutung der eigent-lichen Zellsubstanz, des Protoplasma, noch eindringlicher zur Geltung.Hier führte, trotz lange Zeit herrschender, vorgefaßter Meinungen, dievorurteilsfreie Untersuchung zum Resultat, daß die meisten tierischenZellen überhaupt keine Membran besitzen.
3. Sehr wichtig war endlich das Studium der niedersten Organis-men, der Protozoen. Dujardin suchte durch äußerst sorgfältige Be-obachtungen den Beweis zu führen, daß diese Tiere keine Organe be-säßen, sondern aus einer gleichförmigen, körnchenführenden Substanz be-ständen, der Sarcode. Die Sarcode solle alle sonst auf viele Organeverteilten Lebensäußerungen, Bewegung, Empfindung, Ernährung, alleinvermitteln. Dujardins Lehre wurde durch Ehrenberg und seine Schulelebhaft bekämpft, gelangte schließlich aber durch die bahnbrechendenArbeiten von Max Schultze und Haeekel zu allgemeiner Geltung.
Auf Grund obiger 3 Beobachtungsreihen hat endlich Max Schultze Schnitzesdie schon kurz skizzierte Beform der Zellentheorie durchgeführt, indem er p i a ™ m ä-durch ein genaues Studium des Aussehens und der Lebenserscheinungen ""»"e-und durch Experimente den Nachweis führte, daß Zellsubstanz der Tiere,Sarcode der Protozoen und Protoplasma der Pflanzen identisch seien.Die zweite wichtige Reform betrifft die Lehre von der Umbildung derZellen zu Geweben. Dieselbe erfolge weniger durch Formveränderungenund Auswachsen der Zellen zu den Gewebselementen, wie Schwannmeinte, sondern durch chemische Umwandlung. Vermöge seiner forma-tiven Tätigkeit erzeuge das Protoplasma Structurteile, welche nicht mehrProtoplasma sind, wie die Bindegewebsfibrillen, Muskelfibrillen, Nerven-fasern etc. Dieselben bedingen den spezifischen Charakter der einzelnenGewebe und leisten die Functionen derselben. Neben ihnen erhaltensich dann als Lebens- und Bildungsherde die nicht verwandten Resteder Zellen, die Bindegewebskörperchen, Muskelkörperchen etc. Diesebeiden Grundgedanken der Max Schultzeschen „Protoplasmatheorie"wollen wir nun weiter ausführen und dabei die Grundzüge der modernenGewebelehre kurz skizzieren.
Die Größe der tierischen Zellen schwankt in bedeutenden Breiten; cimrakte-<lie kleinsten Elemente sind wohl die männlichen Samenzellen, die Sper- "z e ne dermatozoen, deren Körper — nach Abzug des Schwanzfadens — nament-lich bei Säugetieren oft nur 0,003 mm mißt; die größten Zellen dagegensind, abgesehen von den Riesenplasmodien einiger Mycetozoen, die Ei-zellen. Das Gelbe des Vogeleies, welches allein das Ei im engeren Sinne,befreit von seinen Hüllen, darstellt, besitzt vorübergehend den Formen-wert einer Zelle und kann bei Straußeneiern einen Durchmesser vonmehreren Zentimetern erreichen.
Die Form der Zelle ist ebenfalls variabel. Frei lebende, durchihre Umgebung in ihrer Gestalt nicht bestimmte Zellen sind meist imRuhezustand kugelig oder oval, wie die Eizellen lehren; zu Gewebenvereint, können sich dagegen die Zellen zu polygonalen oder prisma-
Hertwig, Lehrbuch der Zoologie. 8. Aufl. 4
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