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Allgemeine Zoologie.
Reform-bewegungen
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zu erheben. Man spricht daher meist von einer Seh wann-Schleiden-schen Zellentheorie.Schwann- Dieser Theorie zufolge soll für die Function der Zelle ihre Wandung,
sehe Zeilen-die Zellmembran, das Wichtigste sein: durch die Zellmembran hindurchtheo™, sollen Diffusionsströme zwischen Umgebung und flüssigem Zellinhalt sichvollziehen: der Charakter der Membran und des Zellsaftes solle nachallgemein physikalischen Gesetzen die Beschaffenheit der Diffusionsströmeund damit auch den functionellen Charakter der Zelle bestimmen; dasverschiedene Aussehen der Gewebe sei vornehmlich dadurch bedingt, daßdie anfangs kugeligen Zellen ihre Gestalt verändern, indem sie beimfibrillären Bindegewebe z. B. enorm in die Länge zu den feinen Fibrillenauswachsen (Zellmetamorphose). Da das Leben des Organismus nun nichtsanderes ist als das Zusammenwirken aller seiner Zellen, so schmeichelteman sich, durch die Zellentheorie und die durch sie bewirkte Entdeckungder physikalischen Einheiten des tierischen und pflanzlichen Körpers demgroßen Problem der physikalischen Erklärung der Lebenserscheinungenum ein gutes Stück näher gerückt zu sein. — Auch die Zellgenese schiennach dieser Lehre ein physikalisch erklärbarer Prozeß zu sein, wie dieBildung eines Krystalls. Im Cystoblastem sollen ja Kernkörperchen, Kern-membran und Zellmembran ähnlich den Vorgängen bei der Krystallisationdurch Niederschlag gebildet werden.
In der Zwischenzeit haben sich unsere Auffassungen vom Wesender Zelle vollkommen verändert. Die Zelle entsteht nicht nach Art einesKrystalls als eine Neubildung in einer Mutterlauge, sondern sie setzt dieExistenz einer lebenden Mutterzelle voraus, von welcher aus sie durchTeilung oder Knospung erzeugt wird. Ebenso ist auch die Zelle nichteine physikalische Einheit, sondern selbst wieder ein Organismus, welcheruns alle die Rätsel des Lebens erkennen läßt, deren physikalische Er-klärung unserer Forschung immer als Ziel vorschweben muß, wenn auchals ein Ziel, das noch in weite, gar nicht absehbare Entfernung gerücktist. Für das Wesen der Zellen sind ferner Membran und Zellsaft vongänzlich untergeordneter Bedeutung; das Wichtigste an der Zelle istvielmehr eine lange Zeit über gar nicht berücksichtigte Substanz, das„Protoplasma". Nach unserer neueren Auffassung ist die Zelle vor-nehmlich ein Plasmaklümpchen, meist ausgerüstet mit einemoder mehreren Kernen. Diese neuere Auffassung vom Wesen derZelle hat sich nun so allmählich entwickelt und die Schwann-SchleidenschenAnsichten so langsam verdrängt, daß der alte Name, obwohl er für dieneue Auffassung gar nicht mehr paßte, beibehalten wurde. Man hattesich schon so sehr an den Namen gewöhnt, daß man gar nicht mehr denWiderspruch empfand, der darin lag, daß man ein solides Klümpchenohne Membran eine „Zelle" nannte.
Die Reform der Zellentheorie wurde durch Entdeckungen angebahnt,welche auf sehr verschiedenen Gebieten gewonnen und erst spät in einemBrennpunkt vereinigt worden sind.
1. Schon an der Grenze des 18. und 19. Jahrhunderts hatten Bona-ventura Corti und Treviranus gesehen, daß die Chlorophyllkügelchen,welche die grüne Farbe der Pflanzen bedingen, bei vielen Arten lebhaftim Innern der Zelle herumströmen, aber erst Mo hl fand heraus, daß ihreBewegung keine aktive sei, daß sie vielmehr von einer homogenen Sub-stanz, in welcher sie eingebettet sind, bewegt werden. Diese Substanz,welche Mohl, um sie in den Vordergrund zu stellen, Protoplasmanannte, gewann durch eine zweite Beobachtung noch größere Bedeutung.