Allgemeine Zoologie.
In den Lebenserscheinungen der Tiere läßt sich ein gewisses Maßvon Gleichartigkeit durch das ganze Tierreich verfolgen: die Art. wiesich die Tiere ernähren und fortpflanzen, wie sie sich bewegen und wiesie empfinden, ist in großen Gruppen im wesentlichen die gleiche undkann sogar bei weit entfernten Formen mancherlei Übereinstimmungbieten. Demgemäß müssen auch die Einrichtungen, welche für die ge-nannten Functionen getroffen sind, die Organe der Ernährung und Fort-pflanzung, der Bewegung und Empfindung, in ihrem gröberen und feinerenBau und in ihrer Entwicklungsweise einander ähnlich sein und einigestets oder häufig wiederkehrende Grundzüge erkennen lassen. Alles diesbedarf einer allgemeinen Erörterung, bevor wir auf die Schilderung dereinzelnen Tierstämme eingehen können. Diese Erörterung ist Gegenstandder allgemeinen Zoologie, speziell der allgemeinen Anatomie und Ent-wicklungsgeschichte oder der tierischen Morphologie.
An die allgemeine Morphologie der Tiere reihen wir die Lehre vonden Beziehungen der Tiere zu ihrer Umgebung, die Öcologie oderBiologie. Wir haben hierbei die geographische Verbreitung derTiere — ihre Verteilung über die Oberfläche der Erde und in den ver-schiedenen Meeresstreifen — zu rechnen, ferner die Wechselbeziehungenvon Tier- und Pflanzenreich und der Tiere untereinander, wie sie inStaatenbildung, Symbiose, Parasitismus zu besonderem Ausdruckegelangen.
Bei der allgemeinen Anatomie, mit welcher wir beginnen werden,wollen wir den Gedanken zugrunde legen, wie sich ein Organismusaus seinen Bestandteilen aufbaut. Wir werden dabei im Geistedas entgegengesetzte Verfahren befolgen von dem, welches die Anatomietatsächlich einschlägt, wenn sie den tierischen Körper in seine Elementar-teile, seine Organe, Gewebe und Zellen, auflöst. Anstatt analytischer,werden wir synthetische Anatomie treiben.
Die Synthese eines Organismus, wie wir sie in der allgemeinenAnatomie nur der Idee nach vornehmen können, vollzieht sich tatsächlichin der Natur während der Entwicklung eines jeden Tieres. Entwicklungs-geschichtlich ist jeder Organismus vorübergend ein einfaches Element,eine Zelle: die Zelle teilt sich, und es entstehen Gewebe, aus den Ge-weben Organe, und aus den Organen setzt sich das gesetzmäßig ge-gliederte Ganze eines Tierkörpers zusammen. Wenn somit die allgemeine