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Lehrbuch der Zoologie
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Darwins Theorie von der Abstammung der Arten.

um zum gleichen Ziele zu gelangen, die Übung und NichtÜbung vonneuem in gleicher Weise beginnen müssen. Im letzteren Falle wäreeine Kumulierung des Charakters und damit die Möglichkeit, daß der-selbe zu einem dauernden werde, ausgeschlossen. Leider fehlt es nochimmer auf diesem der experimentellen Behandlung zugängigen Gebietean einwurfsfreien Erfahrungen. Am meisten sprechen zugunsten desLamarckschen Prinzips zur Zeit die rudimentären Organe. Wenn wirsehen, daß Höhlentiere, welche seit vielen Generationen im Dunkeln leben,blind sind, indem sie entweder gar keine Augen mehr besitzen oderfunctionsuntaugliche Reste von solchen, so liegt allerdings die Deutungnahe, daß mangelnder Gebrauch diese Veränderung verschuldet habe,indem er zu einer von Generation zu Generation zunehmenden func-tionellen und anatomischen Untüchtigkeit geführt hat. Man sollte nunmeinen, was für die NichtÜbung gilt, müßte sich im entgegengesetztenSinne auch bei der Übung äußern.

Weitere Schwierigkeiten des Lamarekismus sind darin gegeben, daßdas functionelle Wachsen eines Organs kein unbegrenztes ist, sondernüber ein gewisses Maß nicht hinausgehen kann und somit einer Regula-tion unterliegt, daß ferner nicht nur vorhandene Organe vervollkommnetwerden, sondern auch da, wo das Bedürfnis vorliegt, neue Organe ge-bildet werden. Der Lamarekismus wird so zu dem Satz geführt, daßdas Bedürfnis eines Organismus zugleich die Ursache seiner Befriedigungist, ein Satz, der zunächst wenigstens keiner naturwissenschaftlichen Prü-fung zugängig ist.Naegeiis Zum Schluß haben wir noch die Umbildung der Arten aus eigenen

Progression.inneren Ursachen zu betrachten, das, was C. E. von Baer mit demwenig geeigneten, weil leicht irreführenden AusdruckZielstrebigkeit"Naegeli alsVervollkommnungsprinzip oderPrinzip der Pro-gression" bezeichnet hat. Es kann wohl nicht geleugnet werden, daßeine jede Art aus eigenen inneren Ursachen genötigt ist, sich zu neuenFormen zu entwickeln, unabhängig bis zu einem bestimmten Grad vonäußeren Existenzbedingungen und vom Kampf um das Dasein. Li allenTierstämmen sehen wir den Fortschritt vom Niederen zum Höheren sichvollziehen, vielfach in ganz ähnlicher Weise, trotzdem die Tiere untersehr verschiedenen Entwicklungsbedingungen leben. Wir sehen, wie dasbei niederen Formen oberfiäclilich gelagerte Nervensystem bei höherenin die Tiefe des Körpers verborgen wird, wie das Auge, zunächstein einfacher Pigmentfleck, bei Würmern, Arthropoden, Weichtierenund Wirbeltieren mit Hilfseinrichtungen, wie Linse, Glaskörper, Iris,Chorioidea etc., ausgerüstet wird. Darin erblicken wir eine Energie zurVervollkommnung, welche, da sie überall vorkommt, von den individuellenLebensbedingungen unabhängig sein und in der Reactionsweise der lebendenSubstanz gegen Licht selbst ihre besondere Erklärung haben muß.

Es ist keineswegs richtig, eine Auffassung, wie sie hier ausgesprochenwurde, eine teleologische zu nennen und als unnaturwissenschaftlicli zuverwerfen. Vielmehr erscheint in ihr der Organismus ebenso mechanischbedingt, wie eine Billardkugel, deren Verlauf doch nicht nur von derReibung an den Wandungen des Billards, sondern zum guten Teil vonder ihr innewohnenden, durch den Stoß ihr übertragenen Kraft bestimmtwird. Auch ein Organismus ist ein Kräftereservoir, welches sich mitNotwendigkeit aus sich heraus entwickeln muß, nur daß es von außer-ordentlicher Komplikation und in gleichem Maße von der Außen-welt unabhängiger ist. Eine vollkommene Unabhängigkeit wird natürlich