Darwins Theorie von der Abstammung der Arten.
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lehrt die Erfahrung der Botaniker, daß mehrere Varietäten an demselbenStandort entstehen und Konstanz gewinnen können.
Während die Migrationstheorie mit dem Darwinismus darin über-einstimmt, daß sie die durch Variation auftretenden neuen Charaktereals ein Produkt des Zufalls betrachtet, ist von anderen Seiten geradedieser Teil der Lehre zum Gegenstand eingehender Kritik gemacht worden.Manche Zoologen haben auf die causale Begründung der Descendenz-theorie durch Lamarck zurückgegriffen und erblicken die Ursache derArtumbildung zum Teil in dem unmittelbaren Einfluß der wechselndenExistenzbedingungen, zum Teil in dem durch den Wechsel der Exi-stenzbedingungen veränderten Gebrauch und Nichtgebrauch derOrgane. Beide Prinzipien sollen ausreichen, um auch ohne Zuhilfenahmedes Kampfes ums Dasein die Phylogenese der Organismen zu erklären(Neo-Lamarckismus).
Inwieweit die Existenzbedingungen durch unmittelbare Be- La ™ ar ° kis "Wirkung eine dauernde Veränderung im Bau der Pflanzen und Tierehervorrufen können, dies zu entscheiden, ist bei der Verschiedenartigkeitder in Frage stehenden Einflüsse kein einheitliches Problem. Bei einemWechsel der Ernährung verändern sich Organismen in ganz auffälligerWeise und innerhalb kurzer Zeit; aber gerade diese Veränderungen(Ernährungsmodifikationen Kaegelis) scheinen für gewöhnlich keinendauernden Bestand zu haben. Pflanzen, welche aus dem in der Naturihnen zukommenden mageren Boden in fettes Erdreich versetzt werden,nehmen sehr bald ein ganz anderes Aussehen an und behalten dasselbeauch durch die folgenden Generationen bei, solange diese im fetten Erd-reich bleiben; ebenso rasch aber tritt der Rückschlag ein, wenn diePflanzenart in ihre ursprünglichen Existenzbedingungen zurückgelangt.Eine Veränderung scheint im allgemeinen um so dauerhafter zu sein,je langsamer sie sich entwickelt. Bei Versuchen über den Einfluß derExistenzbedingungen wird man daher am ehesten auf Erfolg rechnenkönnen, wenn man mit langsam wirkenden Faktoren experimentiert, wieLicht und Wärme, trockener oder feuchter Luft, verschiedener Intensitätder Schwerkraft, Reizwirkungen, welche von Organismen der Umgebungausgelöst werden. In dieser Weise werden in der Tat, auch positiveResultate erzielt. Wenn Puppen von Vanessa urticae und Arctia cajaim Kalten (bis zu 8° C) kultiviert werden, zeigen sich die aus ihnenausschlüpfenden Schmetterlinge mehr oder minder erheblich verändert;ai " intensivsten die männlichen Individuen. Wurden nun veränderteMännchen und Weibchen zur weiteren Zucht verwandt, so zeigte einTeil der Nachkommenschaft, auch wenn dieselbe unter normalen Bedingungenkultiviert war, die Kälteveränderung, und zwar waren es ausschließlichMännchen, woraus man entnehmen kann, daß Abänderungen im männ-lichen Geschlecht sich früher bemerkbar machen als im weiblichen.
Was nun die zweite Seite des Lamarekismus anlangt, die func-tionelle Umgestaltung des Organismus, so kann es ja keinemZweifel unterliegen, daß die Erscheinungsweise eines Tiers und einerPflanze in hohem Maße von der Art, in welcher es seine Organe benutzt,abhängt. Die in Gebrauch stehenden Organe und Organteile werden ge-kräftigt, die vom Gebrauch ausgeschlossenen werden rückgebildet. Soweit handelt es sich um Erfahrungen des täglichen Lebens. Schwierig-sten entstehen erst bei Beantwortung der sich anschließenden Frage,° b die so entstehenden, im strengsten Sinne des Wortes neu erworbenenEigenschaften erblich sind, oder ob nicht vielmehr die Nachkommen,