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Darwins Theorie von der Abstammung der Arten.
täten und die Varietäten in Bildung begriffene Arten sind.Wir wollen das Gesagte durch Erläuterung an einem konkreten Fallklar machen. Individuen einer Art beginnen zu variieren, d. h. sie ge-winnen, von einem zum anderen verglichen, eine größere oder geringereVerschiedenartigkeit der Charaktere. Solange die extremen Unterschiededurch Übergänge verbunden werden, sprechen wir von Varietäten einerArt; sind dagegen die vermittelnden Übergänge ausgestorben, haben sichim Laufe langer Zeiträume die Unterschiede befestigt und so sehr ver-schärft, daß eine geschlechtliche Vermischung der extremen Formen ent-weder völlige Unfruchtbarkeit oder wenigstens eine Hinneigung zur Un-fruchtbarkeit ergibt, so sprechen wir von verschiedenen Arten.
Für diese Anschauung, daß Varietäten bei längerem Bestände zuArten werden können, spricht auch die große Übereinstimmung, welchezwischen beiden in der Häufigkeit des Auftretens besteht. Bei Gattungen,welche auffallend viele Arten enthalten, zeigen meist auch die Arten vieleVarietäten; die Arten sind dann meist zu Untergattungen gruppiert, d. h.sie sind einander in ungleichem Maße verwandt, indem sie kleine, um ge-wisse Arten sich anordnende Gruppen bilden. Ähnliches ist auch bei denVarietäten der Fall. Bei solchen Gattungen ist die Artbildung in lebhaftemFlusse; jede Artbildung setzt aber einen großen Grad von Variabilität voraus.
phyiogenie. Es ist nun klar, daß dasselbe, was hier für die Arten durchgeführt
worden ist, auch für die übrigen Kategorien des Systems Geltung habenmuß. Wie durch divergente Entwicklung Varietäten zu Arten werden,so müssen die Arten bei Fortdauer der Divergenz sich so sehr von-einander entfernen, daß wir sie als Gattungen unterscheiden. Es wirdnur eine Frage der Zeit sein, daß diese Unterschiede höhere Grade er-reichen und die Aufstellungen von Ordnungen, Klassen und Stämmenermöglichen, so wie auch die zarten Verzweigungen des jungen Pfiänzchensbeim kräftigen Baum zu Hauptästen erstarken, von denen weitere Seiten-äste und Zweige ausgehen. Wenn man diesen Gedankengang bis inseine letzten Konsequenzen verfolgt, so kommt man zu der Vorstellung,daß alle Tiere und Pflanzen durch Umbildung von wenigen Urorganis-men entstanden- sind. Da jedenfalls viele Tausende von Jahren dazugehören, daß durch Variabilität einer Art mehrere neue Arten entstehen,so müssen zur Ermöglichung dieser historischen Entwicklung des Tier-und Pflanzenreiches Zeiträume von einer Länge notwendig gewesen sein,wie sie für unser Begriffsvermögen nicht mehr faßbar sind, ebenso wiedie Astronomen mit Entfernungen rechnen, von welchen wir uns keineVorstellungen machen können. Wie man nun für die Lehre von derindividuellen Entwicklung eines Tieres die besondere Bezeichnung „Onto-genie" (Embryologie) gewählt hat, so hat es sich auch als zweckmäßigherausgestellt, für die Lehre von der allerdings nicht beobachteten,sondern nur erschlossenen historischen Entwicklung der Tiere den Namen„Stammesgeschichte" oder „Phyiogenie" einzuführen.
Urzeugung. Will man alle lebenden Tiere von gemeinsamen Urformen ableiten,
so muß man notgedrungen annehmen, daß dieselben höchst einfach or-ganisiert, daß sie einzellig waren. Denn je einfacher die Organisation,um so weniger ist sie spezialisiert, um so größer ist ihre Umbildungs-fähigkeit. Aus einfach gebauten Organismen lassen sich auch allein dieniedersten einzelligen Lebewesen, die Protozoen, ableiten. Endlich könnenwir uns nur für einfach gebaute Organismen eine erste natürliche Ent-stehung denken. Da es unzweifelhaft eine Zeit gegeben hat, zu welcherauf unserem Erdball Temperaturen herrschten, welche jedes Leben un-