Darwins Theorie von der Abstammt
der Arten.
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den Produkten der Kreuzung bemerkbar machen. Wir wollen im folgen-den, abweichend von dem herrschenden Brauch, welcher beide Ausdrückeals synonym behandelt, die Kreuzungsprodukte von Varietäten Blend-linge, von Arten Bastarde nennen. Es sollen die Blendlinge stetseine normale, vielfach sogar eine gesteigerte Fruchtbarkeit besitzen, da-gegen sollen die Bastarde stets unfruchtbar sein. Auch hier handelt essich jedoch um eine Begeh nicht um ein Gesetz. Die meisten der obengenannten Schmetterlingsbastarde und viele andere Bastarde sind zwarunfruchtbar, oder liefern, wie Maultier und Maulesel, nur ausnahmsweiseund dann äußerst kurzlebige Nachkommenschaft, allein man kennt schonjetzt nicht wenige Ausnahmen, obwohl die Zahl der nach dieser Hinsichtunternommenen Experimente eine sehr geringe ist. Bastarde von Hasenund Kaninchen haben sich Generationen hindurch fruchtbar erhalten;fortpflanzungsfähige Bastarde wurden ferner bei der Kreuzung von Capraibex und C. hircus, von Anser cygnoides und Anser domesticus, vonSali/w salvelinus und S. fontinalis, Cyprinus carpio und Carassius•vulgaris erzielt.
Auch der zweite oben aufgestellte Satz, daß Individuen einer Art,sofern sie gesund sind, sich stets miteinander fortpflanzen können, bedarfsehr der Einschränkung. Den Tierzüchtern sind schon seit langem diegefährlichen Folgen der Inzucht bekannt, daß die Fortpflanzungsfähigkeitsich bis zur Unfruchtbarkeit vermindert, wenn man bei einer Zucht an-dauernd nur Abkömmlinge eines Elternpaares wählt. Die häufig ange-zweifelte Berechtigung dieses Erfahrungssatzes hat sich bei methodischenExperimenten an Ratten und Mäusen bewährt. Außerdem hat Darwinaus der Pflanzenwelt nicht wenige Fälle zusammengestellt, in denen unzweifel-hafte Angehörige derselben Art untereinander mehr oder minder unfruchtbarsind: so gewisse Formen der Primeln und anderer di- und trimorpher Arten.Beispiele für die Unfruchtbarkeit von Blendlingen kennt man ebenfallsnur aus der Botanik (gewisse Varietäten von Mais und Königskerze).
Wenn wir das Bekannte überblicken, so scheint die dauernde Frucht-barkeit bei der geschlechtlichen Fortpflanzung von einer nicht allzu be-deutenden Differenz in den Geschlechtsprodukten garantiert zu werden;allzu große Ähnlichkeit, wie sie bei Inzucht vorhanden sein muß, undallzu gr.oße Unterschiede, wie bei der Bastardierung verschiedener Arten,sind schädlich und werden von der Natur vermieden. Die geschlecht-liche Fortpflanzung besitzt ein Optimum, von dem aus man allmählichnach zwei Seiten eine Abnahme verfolgen kann. Damit wäre aber schongesagt, daß hier graduelle und keine prinzipiellen Differenzen vorliegen,und daß demnach auch dieses Merkmal für eine prinzipielle Unter-scheidung von Art und Varietät nicht benutzt werden kann.
Das Endresultat aller dieser Ausführungen läßt sich in den Satzzusammenfassen, daß es bis jetzt weder auf physiologischem, noch aufmorphologischem Wege geglückt ist, in klarer und allgemein gültigerWeise die Kriterien festzustellen, welche bei der Entscheidung, ob ge-wisse Formenkreise für gute Arten oder für Varietäten einer Art zuhalten sind, den Systematiker leiten müssen. Vielmehr werden die Zoo-logen in der Praxis von einem gewissen systematischen Takt be-stimmt, welcher sie aber in schwierigen Fällen im Stiche läßt, so daßdann die Ansichten der einzelnen Forscher auseinandergehen.
Die erörterten Verhältnisse finden ihre natürlichste Erklärung durch Umbildungdie Annahme, daß scharfe Unterschiede zwischen Art und Varietät übernaupt nicht existieren, daß die Arten konstant gewordene Varie
<ler Varie-täten zuArten.