Geschichte der Zoologie.
In der Geschichte der Zoologie kann man zwei große Strömungenunterscheiden, welche in einzelnen Männern sich berührt oder vereinigthaben, welche aber im großen und ganzen sich unabhängig, vielfach so-gar in ausgesprochenem Gegensatz zueinander entwickelt haben; es sinddies einerseits die systematische, andererseits die morphologisch-physio-logische Betrachtungsweise der Tiere. Wir werden sie in diesem kurzengeschichtlichen Überblick der Klarheit halber auseinanderhalten müssen,wenn auch der Gegensatz beider Richtungen in den Anfängen der zoologi-schen Forschung noch fehlte und auch später sich vielfach verwischt hat.Mit dem Ehrennamen eines „Vaters der Naturgeschichte" hat manden großen griechischen Philosophen Aristoteles geziert und damitzum Ausdruck gebracht, daß die Bruchstücke des zoologischen Wissensseiner Vorgänger nicht in Vergleich gesetzt werden können mit demwohlgeordneten Bau, in welchem Aristoteles seine und seiner Vor-gänger Kenntnisse vom Wesen der Tiere zusammengefaßt hat. InAristoteles vereinigten sich günstige äußere Bedingungen mit gün-stiger geistiger Beanlagung. Ausgerüstet mit den literarischen Hilfs-quellen einer umfangreichen Bibliothek und den für naturhistorischeUntersuchungen damals noch mehr als jetzt unerläßlichen Geldmitteln,veitrat er die induktive Methode, welche allein imstande ist, auf dem(iebiete der Naturwissenschaften sichere Fundamente zu liefern. Seinezoologisch wichtigsten, leider nur zum Teil erhaltenen Werke sind die..Historia animalium", „De partibus" und „De generatione", drei Werke,in welchen die Zoologie als eine universelle Wissenschaft begründetwurde, indem Anatomie und Entwicklungsgeschichte, Physiologie undSystematik gleichmäßig Berücksichtigung fanden. Wie weit Aristoteles— selbstverständlich neben vielem Irrtümlichen — in der richtigen Er-kenntnis des Baues und der Entwickiungsweise der Tiere gelangt ist,wird am schlagendsten der Hinweis erläutern, daß manche seiner Ent-deckungen erst im vorigen Jahrhundert ihre Bestätigung gefunden haben.So wußte Aristoteles, was erst von Joh. Müller wieder neu entdecktworden ist, daß manche Haie nicht nur lebendig gebären, sondern daßbei ihnen auch der Embryo im Uterus der Mutter festwächst und eineSäugetiere und des Menschen erinnernde Nährvor-kannte den Unterschied männlicher und weiblicherwußte, daß die jungen Tinfet/ßschc einen mund-
an die Placenta deirichtung bildet; erCephalopodcn und
ständigen Dottersack besitzen.