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Entwicklung der systematischen Zoologie.
Von großem Interesse ist, wie sich Aristoteles zur Systematikder Tiere verhält. Er erwähnt in seinen Schriften die stattliche Zahlvon etwa 500 Tierarten; da er sehr bekannte Formen, wie Dachs,Libelle etc. nicht nennt, kann man mit Sicherheit annehmen, daß ihmsehr viel mehr noch bekannt waren, daß es ihm aber nicht notwendig er-schien, alle ihm bekannten Formen aufzuführen, daß er sie nur nannte,wenn es ihm darauf ankam, gewisse physiologische oder morphologischeVerhältnisse an ihnen zu erläutern.
Dieses Zurücktreten des systematischen Interesses kommt auch darinzum Ausdruck, daß der große Philosoph sich mit zwei systematischenKategorien begnügte, mit tfdog, Spezies oder Art, und yevog oder Gruppe.Seine acht yhrj fieyiom würden etwa den Klassen der modernen Zoologieentsprechen; sie sind Ausgangspunkt aller späteren Klassifikationsversuchegeworden und mögen daher liier aufgeführt werden:
1. Säugetiere (L,(pojoxovvra iv avroTg),
2. Vögel (ÖQvi&eg),
3. Eierlegende Vierfüßler (TSToäjroda q>oToxovi'm).
4. Fische (ixdves),
5. Weichtiere (jxaXäxia),
(>. Kruster (p.aXaxöoTQaxa),
7. Insecten (evro/ua),
8. Schaltiere (öoigay.odeo/iaTa).
Auch die Zusammengehörigkeit der vier ersten Gruppen hat Ari-stoteles herausgefühlt, indem er sie, ohne allerdings damit eine Ein-teilung durchführen zu wollen, als Bluttiere, evauia (besser Tiere mitrotem Blut), den Blutlosen, ävcujua (besser Tiere mit meist farblosemoder gar keinem Blut) gegenüberstellte.
Entwicklung der systematischen Zoologie.
Es ist eine höchst überraschende Erscheinung, daß sich im An-schluß an die Schriften des Aristoteles, in denen die Systematikzurücktritt und nur dazu dient, die anatomischen Verwandtschaftsver-hältnisse der Tiere zum Ausdruck zu bringen, eine exklusiv systema-tische Richtung entwickelt hat. Die Erscheinung ist nur verständlich,wenn man berücksichtigt, daß es sich hier nur um ein äußerlichesAnknüpfen handelt, daß dagegen die geistige Kontinuität der Forschung-vollkommen unterbrochen war, einerseits durch den Verfall und schließ-lich gänzlichen Zusammenbruch der Bildung des klassischen Altertums,andererseits durch das siegreiche Vordringen der christlichen Weltauf-fassung. Den Verfall der eben erst aufgeblühten zoologischen Forschungbekunden schon die Schriften des Plinius. Nachdem der römischeFeldherr und Gelehrte lange Zeit als ein hervorragender Zoologe desAltertums gefeiert worden ist, räumt man ihm jetzt nur noch den Rangeines nicht einmal glücklichen Compilators ein, der aus anderen Schriftenkritiklos Richtiges und Fabulöses zusammengetragen und die naturgemäßeKlassifikation der Tiere nach ihrem Bau durch die unnatürliche, rein äußer-liche Einteilung nach ihrem Aufenthaltsort (Flugtiere, Landtiere. Wasser-tiere) ersetzt hat.