Druckschrift 
Lehrbuch der Zoologie
Entstehung
Seite
IV
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

faafsdi " W-ifa

IV

Vorrede.

gehoben. Noch mehr als in anderen Wissenschaften sind in den Natur-wissenschaften alle Begriffe, mit denen der Leser keine klaren Vor-stellungen verbinden kann, wertlos: dem Anfänger gegenüber kann nichteindringlich genug betont werden, daß er nicht von dem Auswendig-lernen der Namen, sondern von der lebendigen Kenntnis der Erschei-nungen Förderung zu erwarten hat. Deshalb darf aber auch ein Lehr-buch keine Bezeichnungen, welche dem Lernenden notwendigerweisenoch unbekannt sein müssen, anwenden, ohne sie zu erläutern. Es istbesser, weniger zu bieten, dieses Wenige aber vollkommen zu erklären,als im Aufbau der Kenntnisse Lücken und Unklarheiten zu lassen.Gerade in dieser Hinsicht ist die vom Einfachen zum Kompliziertenaufsteigende genetische Methode, welche besonders durch die Descendenz-theorie zur herrschenden geworden ist, didaktisch von der größten Be-deutung geworden. Es braucht daher kaum hervorgehoben zu werden,daß dieses Lehrbuch ganz im Geiste der Entwicklungslehre geschriebenist, auch da, wo keine spezielle Nutzanwendung von derselben gemachtwurde.

Um den Text besser verständlich zu machen, sind dem Lehrbuchzahlreiche Figuren beigegeben, auf deren Auswahl dank dem liberalenEntgegenkommen des Herrn Verlegers besondere Sorgfalt verwandt werdenkonnte. Ein Teil derselben konnte aus anderen Lehrbüchern und auswissenschaftlichen Werken entlehnt werden; ihre Herkunft findet derLeser angegeben auch dann, wenn sie für die Zwecke des Lehrbuchs ingeeigneter Weise weiter ausgeführt oder modifiziert worden sind. Zahl-reiche Originalzeichnungen waren namentlich bei den anatomischen Dar-stellungen notwendig, zumeist aus didaktischen Rücksichten. Für einLehrbuch ist es von Wichtigkeit, daß bei den Abbildungen die Organe,soweit es möglich ist, vollständig und in ihren genauen Lagebeziehungenzueinander dargestellt werden. Von diesem Gesichtspunkt aus wird derFachgenosse es begreiflich finden, wenn manche ältere verdienstvolleZeichnungen, welche in alle Lehrbücher Eingang gefunden haben, dengenannten Ansprüchen aber nicht entsprechen, wie z. B. die Antomienvon Ascidien, Salpen. Cephalopoden, Schnecken, Kladoceren etc., durchneue ersetzt worden sind.

Für die gute Ausführung der Zeichnungen bin ich Herrn Univer-sitätszeichner Krapf, für ihre sorgfältige und rasche Vervielfältigung derAnstalt für Zinkotypie von Meisenbach & Co. zu großem Danke ver-pflichtet; ferner habe ich Herrn Dr. Hof er für seine Teilnahme am Lesender Korrekturbogen an dieser Stelle besten Dank zu sagen.

München, im Oktober 1891.

Richard Hertwig.