Druckschrift 
1 (1907) Qualitative Analyse
Entstehung
Seite
11
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

11 -

in der Lösung ein bestimmter Gleichgewichtszustand, so daß auchhier wiederum das chemische Massenwirkungsgesetz zur Geltungkommt.

Löst man das unelektrische Steinsalz in Wasser, so zerfällt esnach der Gleichung:

NaCl ^> Na -f- Cl

in elektropositiv geladene Natrium- und elektronegativ geladene Chlo-rionen und es gilt für eine bestimmte Konzentration die Beziehung:

[Na] . [Cl]

[NaCl]

konstant.

Ahnlich wie das Steinsalz verhalten sich alle Salze, Säuren undBasen. So zerfällt das Natriumsulfat nach der Gleichung:

Na 2 S0 4 ^t Na + Na -f- S0 4

das Natriumhydroxyd:

NaOH "£ Na -+- OH

Durch diese Theorie der elektrolytischen Dissoziation läßt sichder Vorgang der Elektrolyse in sehr einfacher Weise erklären.Taucht man die beiden Polenden einer Stromquelle in einen Elektro-lyten, so wird das eine Polende, die Anode, mit positiver, das andere,die Kathode, mit negativer Elektrizität geladen sein. Die elektro-positive Anode stößt die elektropositiven Ionen (Kationen) ab undzieht die elektronegativen Ionen (Anionen) an, welch letztere, so-bald sie in Kontakt mit der Anode kommen, an diese ihre nega-tive Elektrizität abgeben, unelektrisch werden und sich abscheiden.Derselbe Vorgang spielt sich an der Kathode ab, dort werden dieelektropositiven Ionen (Kationen) abgeschieden.

An der Elektrolyse beteiligen sich nur die Ionen; die nicht-dissoziierten Molekeln nehmen keinen Anteil daran. Wie der Trans-port der Elektrizität nur durch die Ionen vermittelt wird, so sindes auch die Ionen, welche in der großen Mehrzahl der Fälle diechemischen Reaktionen in wässeriger Lösung bedingen, und zwar ver-laufen diese um so schneller, je größer die Konzentration der Ionenist. Je mehr Ionen in der Volumeinheit vorhanden sind, desto besserwird die Lösung den Strom leiten, da nach dem Faradayschen Ge-setz gleichwertige Ionen gleiche Elektrizitätsmengen transportieren.

Verhalten sich z. B. die elektrolytischen Leitfähigkeiten zweierSäuren, bei gleicher Konzentration, wie 2:1, so folgt daraus, daßdie erste Säure nahezu doppelt so stark dissoziiert ist wie die zweite.Die erste Säure wird infolgedessen bei chemischen Umsetzungenrascher reagieren und deshalb nennen wir sie die stärkere Säure.