80
Drittes Kapitel: Radiotik (= Strahlingskunde).
diese beiden Gruppen der Porulosa von der schwebenden Kugelausgehen und zahllose feine Pseudopodien durch die Membran ihrerZentralkapsel allseitig heraustreten, sind dagegen die beidenLegionen der Osculosa (dieNasseilarien undPhaeodarien) dadurchcharakterisiert, daß der einzellige (meist eiförmige) Körper vonAnfang an eine vertikale Hauptachse zeigt, und daß an derenunterem (basalen) Pole eine einzige größere Öffnung existiert, einOsculum, aus dem das Plasma in Form eines Pseudopodien-Bündels einseitig austritt. Infolgedessen ist das hydrostatischeGleichgewicht der Nassellaria stabil; immer steht die Hauptachseder Zentralkapsel, und ebenso des sie umgebenden Skelettes, ver-tikal, und immer werden alle psychomatischen Beziehungen desOrganismus durch diese charakteristische Struktur ihrer Basal-öffnung, des Osculum, bedingt. Diese ist stets verschlossen durcheinen kreisrunden Siebdeckel (Operculum porosum), der dieBasis eines eigentümlichen, in das Innere der Kapsel vorspringen-den Fadenkegels (Podoconus) bildet. Die Pseudopodien tretendurch zahlreiche feine Poren des Porenfeldes (Porochora) im Sieb-deckel heraus.
: Das Kieselskelett der Nasellarien (Taf. C, Fig. 6, 9, 10) setztsich aus drei verschiedenen Elementen zusammen: I. dem Sagittal-ring, einem einfachen oder mit vielen Ästen besetzten Kieselring,welcher vertikal in der Sagittal-Ebene des Körpers liegt, die Zentral-kapsel umfaßt und an ihrem Basalpol mit ihr zusammenhängt;IL dem Basaltripodium, einem oralen Dreifuß, der sich ausdrei divergenten Kieselstacheln zusammensetzt, welche im Zentrumder Porochora, an der Basis der Vertikalachse zusammentreffen;III. der Cephalis oder dem Gitterköpfchen, einer einfachen eiför-migen oder subsphärischen Schale, welche die Kapsel umschließt undam Basalpole ihrer Hauptachse mit ihr zusammenhängt, Diese dreiwesentlichen Skelettelemente erscheinen bei der großen Mehrzahlder Nassellarien miteinander kombiniert, bei vielen aber auch ein-zeln für sich oder paarweise verbunden. Daraus ergibt sieh dieSchwierigkeit der monophyletischen Ableitung ihrer zahlreichenFormen, von denen schon mehr als 1600 Arten beschrieben sind.Im einzelnen bieten auch sie viele interessante Verhältnisse, dieein Licht auf ihr Psychom und dessen mechanische Funktion wer-fen; in allgemeiner Beziehung sind sie aber nicht von ähnlicherBedeutung wie die Porulosen. Eine sehr auffallende Form, Litho-cubus, bildet eine würfelförmige Schale, deren zwölf Kanten (mit