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Zweites Kapitel: Probiontik (= Zytodenkunde).
als Thallus beschrieben und also dem echten Thallus der Algen(oder Phyceen) gleichgesetzt wird, kann dieser Mangel an Logiknur verwirrend wirken; denn ein „einzelliger Thallus" ist eine„contradictio in adjecto" — noch dazu bei einer kernlosen Zy tode,die gar keine echte „Zelle" ist.
Chromatellen (Chromatophoren). Die charakteristischenFarbstoffe der Chromaceen sind in dem homogenen Plasmakörperihrer Zytode selten diffus verteilt oder nur an eine dünne Wand-schicht (innen der Membran anliegend) gebunden. Vielmehr istdas Cyanophycin (ebenso wie das nahe verwandte Chlorophyll)meistens in fester Form aus dem Plasma abgeschieden und bildetbesondere Pigmentkörner: Chromatellen oder Chromato-phoren.*) Infolge der sehr genauen Untersuchungen derselben,die neuerdings namentlich von Zacharias, Hieronymus und AlfredFischer (1. c.) angestellt wurden, haben diese „Chromatophoren"ein erhöhtes Interesse erregt, sowohl in physiologischer Hinsicht(als die „plasmodomen" Organelle der Karbon-Assimilation), wiewegen ihren morphologischen Beziehungen zu den Kristallen.Bei den meisten Chromaceen wird das Cyanophycin zuerst inForm kleiner Kugeln abgeschieden; wenn diese Sphärokristalleaber größer werden, geht die ursprüngliche Kugelform in den Wür-fel oder das reguläre Oktaeder über, die Grundform des tesseralenKristallsystems. Bei Tolypothrix und anderen Hormogoneenfand Hieronymus oft in jeder Zytode einen ansehnlich großenKristallwürfel und daneben eine große Anzahl Kügelchen von glei-cher Größe (1. c. Taf. 18, Fig. 28). Offenbar wuchs der erstere aufKosten der letzteren, die er „verzehrte", wie es bei dem Wachs-tum von Sterrokristallen und Biokristallen auch geschieht. Diekleinen Sphärokristalle, die oft in sehr großer Zahl im Plasma derZytode verteilt sind, ordnen sich in vielfach verschiedener Weise.Sehr oft bilden sie in katenaler Ordnung lange Perlschnüre, unddiese Ketten selbst bilden innerhalb der Plasmakugel mannigfache,oft symmetrische Figuren. Die Form des einzelnen Sphärokristallsgeht aus der Kugel durch monaxones Wachstum in das Ellipsoidoder den Zylinder über, durch Abplattung in die Linse oder Scheibe.Die Figuren, welche diese Stäbchen durch Wanderung, Krümmung
*) Chromatellen. Systematische Phylogenie der Pflanzen, 1894,S. 298. Der Begriff „Chromatophoren" ist in der Zoologie längst für dieselbständigen Pigmentzellen eingebürgert", erst viel später ist er von denBotanikern zur Bezeichnung einzelner Zellteile (Organelle) verwendet worden.