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Kristallseelen : Studien über das anorganische Leben ; mit 1 Tafel in Farbdruck und zahlreichen Abbildungen im Text
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Zweites Kapitel: Probiontik (= Zytodenkunde).

phyten die Zytoden zu Ketten aneinandergereiht sind; dieseKetten können sich weiterhin verästeln und zu mannigfach ge-formten höheren Aggregaten verbinden. DieEisblumen" an dengefrorenen Fensterscheiben und die baumförmig verästelten Kri*stall-Vereine der Dendriten können als grobe Abbilder dieser un-sichtbaren Mizellarstruktur gelten.

Der theoretische Versuch von Naegeli überKräfte und Ge-staltungen im molekularen Gebiet", ein Anhang zu seiner Mecha-nisch-Physiologischen Theorie der Abstammungslehre (1884), ent-hält weitere physikalische und chemische Erörterungen über seineMizellar-Hypothese und die verwandten Probleme. Die Betonungder kristallinischen Struktur der Mizelle ist um so mehr be-merkenswert, als damals dielebenden Kristalle" von Lehmann(erst 1904 vollständig beschrieben) noch unbekannt waren. Neuer-dings gewinnt die Auffassung immer mehr Geltung, daß alle Ge-staltungsvorgänge auf Kristallisation zurückzuführen sind; vor-ausgesetzt, daß den Molekülen Zeit und Gelegenheit gegeben ist,sich gesetzmäßig (den Molethynen folgend !) zu ordnen. Nur wenndiese Bedingungen fehlen (z. B. bei der Glasbildung, der übereiltenErstarrung flüssiger Körper), entstehen amorphe Massen. Ge-rade für das Verständnis dieser elementaren Gestaltungs-Verhält-nisse scheint mir die Verbindung der Kristallotik mit der Psycho-matik, die in dem einen WorteKristallseele" ausgedrückt wird,von fundamentaler Bedeutung zu sein.

Schizophyten (Schizophyceen und Schizomyceten).Spaltpflanzen". Diese niedersten bekannten Organismen unter-scheiden sich von den anderen Protisten sehr wesentlich durchzwei negative Merkmale, durch die Abwesenheit des Zellkerns undder sexuellen Differenzierung. Der ganze Organismus ist im ein-fachsten Fall eine kernlose Plastide, welche durch Assimilationwächst und sich durch einfache Teilung vermehrt. Bleiben diebeiden gleichwertigen Teilprodukte (Tochterzytoden) zusammen,und vermehren sie sich weiter, eingebettet in eine gemeinsame Gal-lertmasse, so entstehen Coenobien einfachster Art (Syncytodia).Die beiden Klassen dieser primitiven Bionten unterscheiden sichdadurch, daß die älteren, verschieden gefärbten SchizophyceenoderSpaltalgen" (Chromaceen) autotroph sind und durch Karbon-Assimilation wachsen, während die jüngeren, meist farblosen Schi-zomyceten oderSpaltpilze" (Bakterien) meistens allotroph sindund ihre Plasmanahrung aus anderen Organismen entnehmen.