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Kristallseelen : Studien über das anorganische Leben ; mit 1 Tafel in Farbdruck und zahlreichen Abbildungen im Text
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Zweites Kapitel: Probiontik (= Zytodenkunde).

angestellt habe. Es hat sich herausgestellt, in Übereinstimmungmit den Beobachtungen der meisten neueren Histologen, daß dasreine, von Einschlüssen gesäuberte Plasma keine wahrnehmbareStruktur besitzt, sondern eine zähe homogene Flüssigkeit dar-stellt. Die mannigfaltigen „Plasmastrukturen", welche vonden verschiedenen Autoren als Faden-, Körnchen-, Schaum-, Ge-rüst-Struktur usw. beschrieben wurden, gehören nicht zur Ele-mentarstruktur des reinen ursprünglichen Plasma; sie sind nichtUrsachen seiner Lebenstätigkeit, sondern Folgen derselben: teilsinnere oder äußere Plasma-Produkte, teils Diffakte oder „Dif-ferenzierungs-Produkte", z. B. Sonderung der hyalinen Rinden-schicht (Hyaloplasma) und der körnigen Markschicht (Polioplasma).Alle diese mannigfaltigen Modifikationen können unter dem Be-griffe des Metaplasma (des sekundär entstandenen Plasma) zu-.sammengef aßt werden, im Gegensatze zu dem reinen ursprünglichenProtoplasma. Daraus ergibt sich, daß der Begriff des Plasmarein chemisch, nicht aber morphologisch ist. Das ursprüng-liche primäre Protoplasma ist in chemischer Beziehung ebensohomogen und ohne sichtbare Struktur, wie das Myelin und Le-zithin der Rheokristalle. Wohl aber besitzt es eine sehr verwickelteunsichtbare Molekularstruktur. Denn die vergleichende Chemieder unendlich mannigfaltigen Plasmaarten hat uns zu der Über-zeugung geführt, daß die Plasmamoleküle außerordentlich groß,meistens aus mehr als tausend Atomen zusammengefügt sind:daraus erklärt sich auch ihre grenzenlose Variabilität. Denneine geringe Umlagerung einzelner Atome oder Atomgruppenin dem komplizierten Bau des Plasmamoleküls oder Plastidulsgenügt, um die ganze Konfiguration desselben und damit auchseine morphologischen und physiologischen Eigenschaften mehroder weniger, oft bedeutend zu ändern.*)

Piastiden. Im neunten Kapitel der Generellen Morphologie(Bd. I, S. 269—289) hatte ich 1866 den ersten Versuch gemacht, diemorphologische Individualität der Organismen schärfer zubestimmen, und deshalb als erste Stufe oder Ordnung derselbendie Piastiden oder „Bildnerinnen" aufgestellt. Unter diesem all-gemeinen Begriff, als „Individuen erster Ordnung", unterschiedich die Zytoden als „kernlose Plasmakörper" von den echten

*) Vgl. meine „Beiträge zur Plastiden-Thcorie", 1870 (Jenaische Zeit-schrift für Naturwiss. Bd. V, S. 492).