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Kristallseelen : Studien über das anorganische Leben ; mit 1 Tafel in Farbdruck und zahlreichen Abbildungen im Text
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VII
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Vorwort.

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seits waren die Aufgaben und Methoden der eigentlichen Psycho-logen, ihre verwickelten Probleme und weit entfernten Ziele soverschieden von denjenigen der Kristallographen, daß sie gar keinBedürfnis fühlten, deren fremdes und weit entferntes Arbeits-gebiet zu betreten.

Da erschienen im Jahre 1904 gleichzeitig eine Anzahl vonhöchst bedeutenden Arbeiten, welche diese traditionellen Verhält-nisse völlig veränderten und einer ganz neuen ForschungsrichtungBahn brachen. Durch Otto Lehmann (Karlsruhe) wurde seine über-raschende Entdeckung der „flüssigen, scheinbar lebenden Kri-stalle", um deren Anerkennung er sich zwanzig Jahre lang ver-geblich bemüht hatte, endlich in einem größeren Werk zur Geltunggebracht. Durch Richard Semon (München) wurde die „Mnemeals erhaltendes Prinzip im Wechsel des organischen Geschehens"nachgewiesen und das unbewußte Gedächtnis der lebenden Sub-stanz sowohl zur psychologischen Erklärung der rätselhaften Ver-erbungs-Prozesse, wie zur Stütze des Biogenetischen Grundgesetzesverwertet. Gleichzeitig erhielt die Lehre vom Seelenleben derPflanzen eine feste Begründung durch die experimentelle Er-forschung ihrer Sinnesorgane (Haberlandt, Nemec, France u. a.).Andere Botaniker und Bakteriologen stellten die oft bestritteneExistenz von Zytoden und Moneren fest, von kernlosenZellen,wie sie noch heute in den Schizophyten leben (Chromaceen undBakterien). Damit wurde die Reform der Zellentheorie und ihrErsatz durch die Piastidentheorie durchgeführt, die ich schon1866 vergeblich angestrebt hatte. Auch der Versuch, den ich da-mals im zweiten Buche der „Generellen Morphologie" gemachthatte, durch „allgemeine Untersuchungen über die Natur und ersteEntstehung der Organismen ihr Verhältnis zu den Anorganen"aufzuklären, gelangte durch die angeführten und andere gleich-zeitige Arbeiten auf biologischem und auf physikalischem Ge-biete zu befriedigendem Erfolg. So wurde ich in den Stand gesetzt,durch Zusammenfassung und kritische Verwertung dieser neuenErgebnisse, gestützt auf langjährige eigene Untersuchungen, indem Buche über die „Lebenswunder" (1904) das Programmeiner neuen „Biologischen Philosophie" zu entwerfen unddamit zugleich einen wesentlichen Ergänzungsband zu dem 1899erschienenen Buche über die „Welträtsel" zu liefern.

Durch diese großartigen Fortschritte unserer tieferen Natur-erkenntnis, deren vielseitige Bedeutung noch heute den meisten