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Kristallseelen : Studien über das anorganische Leben ; mit 1 Tafel in Farbdruck und zahlreichen Abbildungen im Text
Entstehung
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Das erste Urteil aus der Fackwelt:

Der Verfasser des vorliegenden Buches gibt im ersten Teil einenÜberblick über den Wandel und den Widerstreit der Ansichtenüber das Problem des Lebens, die in den mechanistisch-mate-riellen und vitalistischen Theorien ihren unbefriedigenden Aus-druck fanden. Er geht dann auf die von Bertalanffy begründeteorganismische Auffassung des Lebendigen ein, die den moder-nen wissenschaftlichen Erkenntnissen der Biologie am meistengerecht wird und ihren Ausdruck in dem dynamischen Gescheheneiner Organisation von Ganzheitscharakter findet. Ein weitererAbschnitt ist den Bausteinen des Lebendigen gewidmet. Er kannals eine kurzgefaßte Biochemie und Physiologie der am Aufbauder lebenden Organismen beteiligten chemischen Verbindungenbetrachtet werden. Auf der so gewonnenen Basis unternimmtder Verfasser dann den bemerkenswerten Versuch, die geolo-gischen, physikalischen und chemischen Verhältnisse heraus-zuarbeiten, welche die Entstehung des Lebens auf der Erde vorUrzeiten ermöglichten. In vorsichtiger Weise wird der weiteWeg erörtert, der von den Atomen und Molekülen der anorga-nischen Natur zu Molekülzusammenballungen und zu Makro-molekülen, von diesen zu Makromolekülsystemen eigengesetz-licher Organisation und Dynamik, schließlich zu den Urbiontenund den ersten primitiven Einzellern geführt hat. Mit zuneh-mender Organisation treten höhere Seinsformen in Erscheinung,die zwar die sie konstituierenden niedrigeren Systeme um-fassen, in ihrer Ganzheit aber jeweils doch mehr sind als dieTeile. Die neue höhere Form überragt die niedrigeren, aus denensie hervorgegangen ist, durch eineEmergente". Ein kurzerÜberblick beleuchtet schließlich noch die weitere Entwicklungder Welt der Organismen.

Das Buch ist sehr klar und verständlich geschrieben und bringtnicht nur für den Fachmann, sondern vornehmlich auch für dengebildeten Laien, der die Zeit und das Bedürfnis hat, sich mitden letzten Dingen unseres Daseins zu befassen, eine Mengewertvoller Anregungen. Von der bislang herrschenden dualisti-schen Weltanschauung bereitet es den Weg zurück zur holisti-schen bzw. monistischen Auffassung, die in den Urbausteinenalles gestaltlichen Daseins, den Elektronen und Protonen For-men sieht, die nichtsind", sondern dauerndwerden", somitauf einer niederen Seinsebene in reduzierter Form bereits Merk-male des Lebendigen zeigen. In unserer heutigen Zeit, wo Intel-lekt und Technik den Menschen in die Flucht vor Gott getriebenhaben, wo er sich einsam und verloren fühlt, führt dieses Buchüber die Erkenntnisse der Wissenschaft wieder an das Göttlicheheran; esmacht Platz, daß Gott kommen kann" (Kierkegaard)und zeigt uns gleichzeitig in sokratischem Sinne, daß aller aufdie Entschleierung letzter Geheimnisse gerichteter Fortschrittunseres Wissens uns letzten Endes unser tiefes Nichtwissenfühlen läßt. Prof. Dr.-lng. Heinrich Lüers

Vordr. 39