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Kurzes Lehrbuch der anorganischen Chemie : ein Repetitorium für Chemiker, Mediciner und Pharmaceuten
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Jodsäure. Ueberjodsaure.

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Gegen Alkalien verhält sich Jod anders als Chlorund Brom; denn sowohl mit kalter, als auch mitheisser Kalilauge bildet sich stets jodsaures Kalium,J0 3 K, neben Jodkalium, JK — : 6KOH + 6 J = JO3K+ 5JK + 3H20. 1 ) Die Jodsäure, JO3H, selbst erhältman durch Oxydation von Jod vermittelst Chlor:J + 6 Cl.+ 3H2O = J0 8 H + 5 G1H, oder rauchenderSalpetersäure: 10 NO3H + G J = 3 J2O5 _+10 NO +5 H2 O; J2 O5 -f- H2 O = 2J Os II ; sie krystallisirt in weissenTafeln. 2 )

Während nun von den Halogenwasserstoffsäurender Chlorwasserstoff am beständigsten ist, cf. pag. 303,Anm. 2, verhalten sich die Sauerstoffverbindungender Halogene genau umgekehrt: So setzt Chlor ausBromwasserstoff Brom und aus Jodwasserstoff Jodin Freiheit, aber letzteres macht aus UeberchlorsäureChlor frei unter Bildung von Ueberjodsaure, JO4H!:CIO4H+J = JO4H + Cl. Die Säure bildet weisseKrystalle, J04H-2H 2 0. 3 )

als weisses Chlorsilber gefällt wird. Oder man setzt Silbernilratim Ueberschuss zu und schüttelt das gefällte Gemenge der Silber-halogenide mit Ammoniak, in welchem sich nur Chlorsilber (wiederausfällbar durch Salpetersäure) löst; cf. pag. 295, Anm. 1, pag. 309,Anm. 2. Ferner bringt salpetersaures Palladiumoxydul, Pd(NO:s)»,in der Lösung selbst geringer Mengen von Jodmetallen einen tiefschwarzen Niederschlag von Palladiumjod ilr, PdJ 2 , hervor! Nach-weis des Jods, Trennung von Brom und Chlor.

*) Beim Ansäuern wird auch hier wieder alles Jod frei:2JO3K + SO4H2 = 2JOsH4-S04K 2 ; 10 JK + 5 SO4H2 = 10 JH4- 5 SO4 K 2 ; J Os H -j- 5 J H = 6 J -f- 3 H 2 O. Daher lässt sich imJodkalium ein Gehalt an jodsaurem Kalium einfach nachweisendurch Zusatz von verdünnter Schwefelsäure ; die Flüssigkeit färbtsich durch ausgeschiedenes Jod gelb bis braun. — Man hatübrigens Anzeichen dafür, dass eine unterjodige Säure, J-OH,existenzfähig ist; beim Eintragen von Jod in Sodalösung verschwindetdie Farbe des Jods und auf Hinzufügen von Alkohol scheiden sich diegelben Blättchen des Jodoforms, CHJs, ab, was nur möglich ist,wenn vorher in der Flüssigkeit unterjodige Säure vorhanden war.

2 ) Die Jodsäure ist gegen concentrirte Schwefelsäurebeständig! Erhitzt man dieselbe auf 170°, so resultirt Jodpenfoxyd,Ja Os, das bei stärkerem Erhitzen in Jod und Sauerstoff zerfällt.

8 ) Diese Krystalle, JOiH-^HaO, zerfallen beim Erhitzen:2 J 0 4 H • 2 Hä O = J 2 Os 4- O2 + 5 Ha O. — Kaliumperjodat, JO4K, ,entsteht beim Einleiten von Chlor in ein Gemisch von Kaliumjodatund Kalilauge : J Os K + 2 K OH + Cla = J Ol K -f 2 Cl K -f Hb O.