Druckschrift 
Kurzes Lehrbuch der anorganischen Chemie : ein Repetitorium für Chemiker, Mediciner und Pharmaceuten
Entstehung
Seite
310
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

310

Anorganische Chemie.

Gegen Alkalien verhält sich das Brom analogdem Chlor: in der Kälte bildet sich unterbromigsauresAlkali, BrOR, Alkalihypobromit, in der Siedehitze brom-saures Alkali, BrOsR, Alkalibromat, neben Brom-alkalien: I. 2KOH + 2Br = BrOK + BrK + HaO;II. 6KOrf+6Br = Br0 3 K + 5BrK + 3H20. 1 )

Jod.

J = 126.5.

Wie das Brom rindet sich auch das Jod, gebundenan Metalle, im Seewasser, in einigen Mineralquellen(Hall, Heilbrunner Adelheidsquelle). Zur Gewinnung desJods benützt man die Asche gewisser Seepflanzen (Tange,Algen), welche in Schottland Kelp, in der NormandieVarec genannt wird. 2 ) Diese wird ausgelaugt, die Lauge

mit violetter Farbe aufnimmt. Nun fügt man Chlorwasser Tropfenfür Tropfen unter Umschütteln hinzu, wodurch die violette Jodfärb-ung immer mehr abblasst und schliesslich verschwindet. In diesemMoment bewirkt ein weiterer Tropfen Chlorwasser Abscheidung vonBrom und hierdurch beim Umschütteln Gelbfärbung des Schwefel-kohlenstoffs! Das Verschwinden des Jods beruht auf einerUmwandlung in farblose Jodsäure, JOsH, in welche das Jod (überEinfach- resp. Dreifach-Chlorjod) übergeht: J" —j— Cl = JC1;JCl -f Cl 2 = JCls; JCU -fCI 2 -f-3H 2 0 ^JOsH-f-5 C1H!

x ) Selbstverständlich werden beim Ansäuern wieder die 6 At.Brom in Freiheit gesetzt, denn: 2 BrOsK -f- SO4H2 = 2 BrOsH -4-SOiK 2 ; lOBrK -f- 5 SOiHa = 10 BrH -f- 5 SO4K2; BrOsH -j-5 BrH = 6 Br -j- 3 H2O. Von dieser Thatsache macht man, da sichBrom nicht abwägen lässt, Gebrauch bei der Titration von Phenol,C0H5-OH. Man verwendet Vi00 N-Kaliumbromat und 1 /so N-Kalittm-bromidlösung; aus je 50 cem beider Lösungen (gemischt) wird beimAnsäuern 0.24g Brom frei, wodurch 0.0469g Phenol als weissesTribromphenol, C 6 H 2 B 3 -OH gefällt werden: CeHs-OH-f- 6 Br =CeHaBrs-OH -4- 3 BrH. Man titrirt am besten so, dass man die bisauf ca. 1 Proc. verdünnte Phenollösung zu der angesäuerten Lösungder Titerflüssigkeiten zufliessen lässt, bis Jodzinkstärkepapier nichtmehr gebläut wird. — Die Lösung von Brom in kalten Alkali-laugen, welche also unterbromigsaures Alkali enthält, dient inder Analyse als energisches Oxydationsmittel. — Ueberbrom-säure, BrO<tH, entsteht wahrscheinlich bei der Einwirkung von Brom-dampf auf Ueberchlorsäure; cf. pag. 313.

2 ) Beträchtliche Quantitäten Jod gewinnt man ferner aus derMutterlauge von Chilisalpeter; cf. pag. 98, Anm. 2. Das Jod wurde1812 von Courtois entdeckt.