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Kurzes Lehrbuch der anorganischen Chemie : ein Repetitorium für Chemiker, Mediciner und Pharmaceuten
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Anorganische Chemie.

gelbe, schuppenförmige Krystalle des Chlorhydrates,G2IOH2O, ab. Zu fast allen Elementen besitzt Chlorstarke Verwandtschaft; z. B. verbrennt unächtes Blattgold(Kupfer) in Chlor zu Kupferchlorid; gepulvertes Antimonund Arsen verwandeln sich beim Einstreuen in Chlorgasunter Funkensprühen in die betr. Chloride; auch Phos-phor entzündet sich in einer Chloratmosphäre und ver-brennt mit grünlichem Licht. Ebenso energisch ver-bindet sich Chlor mit Wasserstoff; ein Gemenge gleicherRaumtheile beider Gase explodirt heftig beim Annäherneiner Flamme oder im Sonnenlicht, Cl -|~ H = C1H:»Chlorknallgas« 1 ). Daher entzieht auch das Chlor vielenWasserstoffverbindungen den Wasserstoff unter Bildungvon Chlorwasserstoff, z.B.: 2 Cl + Ha O = O -f- 2 Cl H.Auf derselben Umsetzung beruht die »bleichende,sowie desinficirende Wirkung« des Chlors, indemder in statu nascendi frei werdende Sauerstoff die Farb-stoffe resp. Fäulnissstoffe durch Oxydation zerstört; cf.pag. 131. Ferner brennt wegen dieser Verwandtschafteine Wasserstoffflamme in Chlor und, umgekehrt, Chlorim Wasserstoff; cf. pag. 192, Anm. 1. Desgleichenbrennt eine Kerze im Chlorgas weiter, nur erscheint ihreFlamme trübroth, weil viel Kohlenstoff (Russ) abge-schieden wird; auch entzündet sich mit Terpentinöl ge-tränktes Papier beim Einführen in Chlorgas unter Aus-stossung einer dicken Russwolke. Freies Chlor lässtsich erkennen an seinem Geruch, an der bleichendenWirkung Indigo, Lackmus werden entfärbt und ander Bläuung von Jodkaliumstärkepapier: Cl -j- KJ =C1K+J.

Wie der Fluorwasserstoff ist auch der Chlorwasser-stoff, C1H, bei mittlerer Temperatur ein Gas. Er findetsich in den Vulcangasen und in geringer Menge imMagensafte. Chlorwasserstoff bildet sich durchdirecte Vereinigung von Chlor (1 Vol.) und Wasser-stoff (1 Vol.), welche sich im zerstreuten Licht ganzallmählich, im Sonnenlicht oder Magnesiumlicht, das

*) Cf. pag. 3, Anm. 1. Es soll dort übrigens heissen: »DieseVereinigung von Chlor und Wasserstoff erfolgt nicht spontan in zer-streutem Lichte, u. s. w.