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Kurzes Lehrbuch der anorganischen Chemie : ein Repetitorium für Chemiker, Mediciner und Pharmaceuten
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Anorganische Chemie.

Borsäure und Kieselsäure verwandelt sie in dieflüchtigen Fluoride, BFI3 resp. SiFU. Auf letztererThatsache beruht das »Aetzen des Glases« und das»Aufschliessen der Silicate« vermittelst Flusssäure;cf. pag. 206.

Die Flusssäure lässt sich daran erkennen, dass sieGlas anätzt 1 ) und mit Chlorbaryum, nicht aber mitSilberlösung, einen weissen Niederschlag gibt: BaCta -j-2FlH = BaFl2 + 2ClH 2 ).

Da das Fluor, wie auch die den unpaaren Reihenangehörenden Elemente Chlor, Brom, Jod mit Me-tallen direct zu Salzen, den Fluoriden, Chloriden,Bromiden, Jodiden, sich vereinigen, so hat man dieseElemente »Halogene« d. i. »Salzbildner« (von aXc,Salz, yevvdco, ich erzeuge) genannt. Wegen ihrer grossenAffinität zu den meisten anderen Körpern kommen siein der Natur nicht in freiem Zustande vor, und zwarfindet sich das

Chlor

Cl = 35.4

namentlich als Kochsalz, CINa, pag. 88. Wird letzteresmit Braunstein, M11O2, und Schwefelsäure, SO4H2,erhitzt, dann entweicht Chlor 3 ) in Form eines grün-lich gelben Gases (xXwpöc;, grünlich gelb): I. 2 CINa+ S0. 4 H 2 = 2 C1H -f. SOaNes; II. MnOa -f- SO4H2 =

nate. In Wasser unlöslich sind die Fluoride der Metalle deralkalischen Erden, sowie des Aluminiums und der anderen Erd-metalle. Manche verbinden sich mit Fluorwasserstoff zu festen kry-stallinen Doppelsalzen, die saure Fluoride genannt werden.

') Zum Nachweis des Fluors erwärmt man die Fluorverbindungmit concentrirter Schwefelsäure in einem Platintiegel, den man mit einemUhrglas bedeckt hält. Letzteres ist mit Wachs überzogen, in das manSchriftzüge eingravirt hat; nach einiger Zeit und nach dem Entfernendes Wachses erscheinen die Schriftzüge im Glase eingeätzt.

2 ) Fluorbaryum löst sich, zum Unterschiede von schwefel-saurem Baryum, in kochender Salzsäure. Fluorsilber, ist, imGegensatz zu Chlor-, Brom- und Jodsilber, in Wasser löslich!

s ) Das Chlor wurde 1774 von Scheele entdeckt, aber erstvon Gay-Lussac und Thenard (1809), sowie von Davy (1810)als Element erkannt.