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Kurzes Lehrbuch der anorganischen Chemie : ein Repetitorium für Chemiker, Mediciner und Pharmaceuten
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Anorganische Chemie.

Geringe Mengen von Feuchtigkeit verwandeln es in eineasbestartige, seidenglänzende Masse vom Schmelzp. 50°.Schwefeltrioxyd raucht an der Luft stark; inWasser löst es sich unter Zischen zu Schwefelsäure,SO4H2. Letztere bildet sich auch bei der langsamenOxydation von schwefliger Säure an der Luft: 3 SO2-f-2 H2O = 2 SO4H2-j-S, ferner durch Oxydation vonSchwefel mit Salpetersäure: S -j- 2 NO3H = SO4H2-J- 2 NO. In freiem Zustande findet sich die Schwefel-säure in den Gewässern vulcanischer Gegenden, dannin dem Speicheldrüsensekret gewisser Mollusken, fernerziemlich verbreitet in Form von Sulfaten, wie Gyps,Schwerspath, Cölestin etc. Ausserdem enthalten dieFlüssigkeiten des Thier- und Pflanzenkörpers stets Sul-fate, namentlich Alkalisulfate. Die technische Gewinnung der Schwefelsäure geschieht jetzt 1 ) fast aus"schliesslich nach dem Bleikammerprocess. 2 ) In den

*) Früher wurde die Schwefelsäure durch Erhitzen von en*.wässertem Eisenvitriol gewonnen; cf. pag. 292.

2 ) Eine Anlage zur Fabrication von Schwefelsäure be-steht im Wesentlichen aus 5 Theilen und zwar aus einem Ofen (I.),in welchem durch Verbrennen von Schwefel resp. Rösten der KieseS ch wefeldioxyd erzeugt wird. Letzteres Gas durchströmt zunächstdie Flugstaubkammern (IL), in denen sich Staub, arsenige Säure,selenige Säure u. s. f., absetzen. Dann gelangt das immer noch sehrheisse Schwefeldioxyd in den Glover-Thurm (IIL), der aus Blei-platten, sowie feuerfesten Steinen hergestellt und mit Stücken vonFeuerstein resp. Coke angefüllt ist; über das Fiillmaterial träufelt langsamnitrose Säure, (siehe weiter unten) herab; derselben strömen die heissenSchwefeldioxyddämpfe entgegen: Dadurch werden der nitrosen Säuredie Stickoxyde entzogen und mit dem Schwefeldioxyd in die Blei-kammern (IV.) übergeführt; zugleich verdampft hierbei aus der herab-fliessenden Säure Wasser, so dass der Glover-Thurm nicht alleinzum Denitriren der nitrosen Säure, sondern auch zum Concen-triren derselben dient. Die Bleikammern, gewöhnlich 5 an derZahl, sind aus Bleiplatten construirt, die ohne Loth mit dem Knallgas-gebläse aneinandergefügt werden. In den Bleikammern geht nun dieeigentliche Oxydation der schwefligen Säure mit Hülfe vonSalpetersäure, Stickoxyden, Luft und Wasserdampf vor sich. Die ausder letzten Bleikammer entweichenden Gase passiren, ehe sie inden Kamin gelangen, der den Luftzug durch das ganze System unter-hält, noch den Gay-Lussac-Thurm (V.), um Verluste an Stick-oxyden möglichst zu vermeiden. Ueber das Füllmaterial (Coke)dieses Thurmes rieselt beständig starke Schwefelsäure (spec. Gew.