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2 (1868) Lehrbuch der organischen Chemie für den Unterricht auf Universitäten, technischen Lehranstalten und für das Selbststudium
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604
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604 Organische Verbindungen unbekannter Constitution.

gepaarte spaltungsfähige Verbindung, die in ein einfacheres Chromogenund eine Säure gespalten werden kann.

Die sogenannten Flechtensäuren, jedenfalls aromatische Säurenvon complexer Structur und unter dieser Rubrik bereits S. 547 u. ff. be-schrieben, sind solche gepaarte Chromogene; bei der Behandlung mitAlkalien, ja wohl auch schon durch blosses Kochen mit Alkohol undWasser, zerfallen sie in eine einfachere Säure und in einen zweiten Kör-per, der selbst wieder eine Säure, oder aber ein indifferenter Körper ist.Einer der gewöhnlichsten, durch solche Spaltungen entstehenden Stoffeist die Orsellinsäure, die aber selbst wieder leicht in Orcin undKohlensäure zerfällt. Orcin aber ist ein Chromogen, welches durchAmmoniak und Sauerstoff bei Gegenwart von Feuchtigkeit in ein rothesPigment übergeht, vgl. S. 547 u, ff., und wahrscheinlich in allen als Färbe-material dienenden Flechten in mehr oder weniger complicirter Paarungenthalten ist.

Orseille. Cudbear. Persio. Die unter den vorstehenden Namenin den Handel kommenden Flechten- und Flechtenfarbstoffe stammen vonRoccella- und Variölaria- Arten. Die Flechten werden mit Kalkmilch, oderAmmoniak ausgezogen, die die Flechtensäuren enthaltenden Extractc mitSalzsäure gefällt, der Niederschlag in Ammoniak gelöst und wenn dieLösung das Maximum der Färbung erreicht hat, sofort zum Färben be-nutzt, oder eingedampft und als Orseilleextract (Orseille-Carmin)in den Handel gebracht. Das Färbende in der Orseille ist das Oi'cei'n,welches einen Hauptbestandteil der Orseille des Handels ausmacht; seineBildung und Abstammung haben wir bereits erörtert.

Farbstoff des Lackmus.

Kann clirectans Orcinerhaltenwerden.

Der Lackmus wird aus mehreren Flechten, namentlich aber ausLecanora tarlarea, in ganz ähnlicher Weise wie die Orseille bereitet. DieFlechte wird gemahlen und mit ammoniakalischen Flüssigkeiten, Harnz. B., der Verwesung überlassen. Man setzt hierauf Alaun, Pottascheund Kalk zu und überlässt die Mischung sich selbst so lange, bis dasMaximum an Farbstoff erreicht ist. Man formt dann die Masse unterZusatz von Sand und Kreide zu Würfeln und bringt sie so in den Han-del. Die Theorie des Vorgangs ist unaufgeklärt, doch weiss man, dassder eigentliche Farbstoff des Lackmus im freien Zustande roth und demOrcem sehr ähnlich ist, so wie dass auch er aus Orcin entsteht. Durchdie blaue Färbung, welche der Lacktnusfarbstoff durch Alkalien annimmt,erweist sich derselbe von dem der Orseille wesentlich verschieden.

Er kann übrigens direct aus Orcin erhalten werden, indem man das-selbe mit 1 Thl. Ammoniak, 25 Thln. krystallisirter Soda und 5 Thln.Wasser 4 bis 5 Tage unter öfterem Umschütteln in einem unvollständigverschlossenen Gefässe auf 60° bis 80° C. erwärmt und hierauf durch