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2 (1876) Physiologie der Nerven und der Sinnesorgane und Entwickelungsgeschichte
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Corpus lnteum.

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plötzlich dieses Druckes entlastet, es ist zugleich eine Zerreissung desGewebes eingetreten, und beide Ursachen bewirken eine Congestion, welchezu einer Art von Entzündungsprocess wird. Es häuft sich an der innerenOberfläche des zerrissenen Graafschen Follikels und in der Wand selbsteine grosse Menge von Zellen an, die sich theilweise zu Gewebe organi-siren, von der Oberfläche aus tritt eine reichliche Vascularisation ein,und auf diese Weise bildet sich eine compacte Masse, die wir der gelbenFarbe wegen, die sie später annimmt, mit dem Namen des Corpus luteumbezeichnen. Die gelbliche Farbe rührt von Haematoidin her, welchessich häufig in beträchtlicher Menge in diese Corpora lutea eingelagertfindet. Das Haematoidin der Corpora lutea war das Material, an welchemHolm nachgewiesen hat, dass das Haematoidin nicht, wie man eine Zeit-lang glaubte, identisch sei mit dem orangegelben oder orangerothen Gallen-farbstoffe, dem Cholepyrrhin oder Bilirubin. Man muss indessen zweiArten von Corpora lutea unterscheiden: die einen, welche sich vorfinden,wenn keine Schwangerschaft eingetreten ist, und die andern, welche sichvorfinden, wenn Schwangerschaft eingetreten ist. Die ersteren sind vielkleiner und haben eine viel kürzere Lebensdauer: sie verschwinden nachverhältnissmässig kurzer Zeit, und das Ganze zieht sich wieder in dasGewebe des Eierstocks zurück. Nach ein bis zwei Monaten ist keineSpur davon zu finden. Wenn dagegen eine Schwangerschaft eintritt, dannwächst auch das Corpus luteum sehr gross aus, seine Masse kann so grossoder grösser werden, als die des ganzen Eierstocks und noch gegen dasEnde der Schwangerschaft können sich die Eeste eines solchen Corpusluteum vorfinden. So lautet wenigstens die gangbare Lehre. Das Corpusluteum, dessen Eeste man in Leichen schwangerer oder während derGeburt verstorbener Weiber findet, ist nach der gewöhnlichen Annahme,welche die Ablösung der. Eier während der Schwangerschaft gänzlichaufhören lässt, stets noch das Corpus luteum, welches dem GraafschenFollikel angehört, dessen Ei im Uterus zur Entwicklung kam. Diesemwiderspricht jedoch Meyerhofer. Nach ihm lösen sich auch währendder Schwangerschaft Eier ab. Er stützt sich darauf, dass bei Tubar-schwangerschaften nahezu in der Hälfte der Fälle das Corpus luteumnicht auf derselben Seite mit der Frucht, sondern auf der entgegen-gesetzten gefunden sei, ja dass dies selbst in Fällen vorgekommen, indenen wogen anomaler Bildung des Uterus kein Ueberwandern durch dieHöhle desselben stattfinden konnte. Es blieb nach der gangbaren Lehrein solchen Fällen nichts Anderes übrig, als anzunehmen, dass das Ei indie Bauchhöhle gefallen und von dort aus in die andere Tuba gelangtsei. Auch im Eierstocke der Vögel bildet sich, wenn das Ei abgefallenist, ein Corpus luteum. Aber wegen der andern Gestalt des Eierstocks,der eben keine compacte Masse bildet, wie der Eierstock des Menschen,sondern an dem die Eier frei aufgehängt sind, kann hier keine Kuppelentstehen, die über eine Fläche hervorragt, wie dies beim Corpus luteumder Säugethiere der Fall ist. Das Corpus luteum ist hier ein gelapptesGebilde, das neben den übrigen noch am Eierstock sitzenden Eiern andemselben hängt.

Brücke. Vorlesungen. II. 2. Aufl.

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