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2 (1876) Physiologie der Nerven und der Sinnesorgane und Entwickelungsgeschichte
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Menstruation.

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Menstruation.

Das Eintreten der Menstruation fällt bekanntlich, mit der Zeit, inwelcher die Mädchen fruchtbar werden, zusammen. Die Menstruationleitet sich ein dadurch, dass etwas Schleim aus dem Os uteri und ausder Scheide ausfliegst. Der Schleim wird röthlich, und es tritt dann eineimmer grössere Menge von Blut aus. Das dauert einige Tage, bei man-chen Frauen bis 8 Tage, dann wird der Ausfiuss wieder geringer undhört endlich ganz auf. Die Menge des Blutes, welche dabei ausgesondertwird, ist verschieden, sie wird angegeben auf 200 Gramm, sie steigtaber nach Longet auch auf 300, ja auf 500 Gramm, also ein Zollpfund.Das Menstrualblut ist an und für sich von dem gewöhnlichen Blute nichtverschieden. Aber es ist ihm immer eine grössere oder geringere Mengevon Schleim beigemischt, und deshalb kann es häufig als Menstrualbluterkannt werden. Es ist dies in gerichtlichen Fällen von Bedeutung, weilbei Haussuchungen nach blutbefleckten Kleidern, wenn sich irgend einblutbefleckter Leinwandlappen findet, manchmal ein Frauenzimmer derFamilie auftritt und sagt: Das Blut ist von mir, ich habe diesen Lein-wandlappen während der Menstruation benützt. Menstrualblut zeichnetsich, je mehr es mit Uterus- und Vaginalschleim gemischt ist, um somehr dadurch aus, dass es die Wäsche viel mehr hart macht als Blut,das aus einer Wunde geflossen ist, während letzteres auch in geringerMenge tiefer gefärbte und schärfer begrenzte Flecken ohne farblos infll-trirten Band macht. Der Experte kann also durch Befühlen des Lein-wandstückes und Untersuchen der Farbe und der Bänder der Fleckenoft die Angabe des Frauenzimmers bestätigen; er kann sagen, es seiMenstrualblut und nicht Blut, das aus einer Wunde geflossen ist. Da-gegen ist die umgekehrte Aussage aus der Untersuchung mit blossemAuge nicht zu rechtfertigen und hat selbst nach der mikroskopischenund chemischen Untersuchung ihr Bedenkliches, da bei profuser Menstrua-tion das Blut so reichlich und so rein fliessen kann, dass ihm keine inBetracht kommenden Mengen von Schleim und von Epithelialzellon bei-gemischt sind und es von solchem, das ans einer Wunde geflossen ist,nicht unterschieden werden kann.

Vor etwa dreissig Jahren und länger stritt man schon darüber, obdas Menstrualblut austrete, wie man sieh damals ausdrückte, per rexinoder per diapedesin, ob dabei die Capillaren zorreissen, oder ob das Blutdurch die Wandungen der Capillaren hindurchschwitze. Da es sich zeigte,dass im Monstrualblute die Blutkörperchen enthalten sind wie im andernBlute, so erhielt die Ansicht die entschiedene Oberhand, dass das Men-strualblut durch Bexis, durch Zerreissung von Capillaren, ausgeschiedenworden müsse. Heutzutage kann man aber das Vorkommen von Blutkör-perchen im Menstrualblute nicht mehr als entscheidend hiefür ansehen;denn Stricker hat nachgewiesen, dass nicht nur farblose Blutkörperchen,sondern auch rothe unter Umständen durch die Wandungen der Capillar-gefässe hindurchtreten können, und diese besonderen Umstände könnensehr wohl auch im menstruirten Uterus vorhanden sein. Man hat beiInversio uteri den Process der Menstruation direct an der inneren Uterus-oberfläche beobachtet, und es wird beschrieben, es träte das Blut in