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2 (1876) Physiologie der Nerven und der Sinnesorgane und Entwickelungsgeschichte
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Ablösung der Eier.

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Graafsohen Follikels. Diese und mit ihnen das Gewebe werden atrophischund zerreisslich, und in Folge davon tritt früher oder später eine Zer-reissung des Graafsohen Follikels an der Oberfläche ein, so dass dasEi nun durch den Druck der Flüssigkeit ausgestossen wird. Es nimmtdabei immer eine grössere oder geringere Menge von Zellen des Discusoophorus mit.

Früher glaubte man, dass bei diesem Abfallen des Eies vom Eier-stock jedesmal das Peritonaeum zerreisse. Man schrieb eben dem Eier-stocke einen peritonaealen Ueberzug zu; Koster hat aber nachgewiesen,dass das Peritonaeum nicht über denjenigen Theil der Oberfläche desEierstocks, an welchem sich die Eier ablösen, hinweggeht, ja dass sichhier nicht einmal das Epithel des Peritonaeums fortsetzt, sondern dassder Eierstock mit einem Cylinderepithel bekleidet ist, entsprechend demcylindrischen Baue des ursprünglichen Keimepithels, aus welchem siebdie Auskleidung des Graafschen Follikels und das Ei entwickelt haben.Erst in der Zeit der Involution des Weibes, um das fünfzigste Jahrherum und später, bekommt der Eierstock einen fibrösen Ueberzug, unddamit hört dann auch das Herausfallen der Eier aus den GraafschenFollikeln auf. Bei den Vögeln ist der ganze Process ein ähnlicher, nurmit dem Unterschiede, dass dort die grössere Spannung nicht durchFlüssigkeit hervorgebracht wird, welche sich im Graafschen Follikel an-sammelt, sondern durch das Wachsthum des .Nahrungsdotters. Dadurchwerden die Blutgefässe zusammengedrückt, die Haut des GraafschenFollikels mürbe und zerreisslich, und das Ei fällt ab.

Es fragt sich nun: Wann und unter welchen Umständen fallenüberhaupt Eier ab ? Man wusste schon längst, dass die Hühner langeZeit fortfahren Eier zu legen, auch wenn sie nicht mit einem Hahnein Berührung gekommen sind, dass also bei diesen Thieren sicher dasAbfallen der Eier vom Eierstock vom Coitus unabhängig sei. Nichts-destoweniger hielt man in Kücksicht auf die Säugethiere und den Menschenhartnäckig die Vorstellung fest, dass die Eier in Folge des Coitus ab-fallen. Man stellte sich vor, es entstehe dabei eine plötzliche Congestionzu den Geschlechtsorganen und damit auch zum Eierstocke, und diesebewirke die Zcrreissung der rohon im Vorhinein geschwellten GraafschenFollikel. Die Untersuchungen von Coste, von Negrier, von Raciborski,von Bischoff und von Courty haben aber vollständig sichergestellt,dass sich die Sache nicht so verhalte, sondern dass bei den Säugethierenund beim Menschen die Eier sich periodisch vom Eierstocke ablösen,ehe noch ein Coitus stattgefunden und unabhängig davon, ob überhaupteiner stattfindet. Bei den Säugethieren ist die Zeit, zu welcher die Eierabfallen, die Zeit der Brunst. Man hat das Abfallen der Eier constatirt,indem man Hündinnen, so wie die ersten Zeichen der Brunst eintraten,absperrte, sie hernach tödtete und die Eier im Eileiter und Uterus auf-suchte. Man hat auch Gelegenheit gefunden, die Eier beim Menschennachzuweisen. Man hat bei Mädchen, bei denen das Hymen erhaltenwar, und die eines plötzlichen Todes kurze Zeit nach der Menstruationgestorben waren, Eier theils in der Tuba, theils im Uterus nachweisenkönnen. So ist es auch für die Menschen, ausser Zweifel gestellt, dass dasAbfallen der Eier nicht mit dem Coitus zusammenhängt, sondern wie beiden Thieren periodisch erfolgt. Es erfolgt hier zur Zeit der Menstruation.