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2 (1876) Physiologie der Nerven und der Sinnesorgane und Entwickelungsgeschichte
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Tastsinn und Gern ein Gefühl.

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Es würde für sie eine eigene Beizschwelle, die Schnierzschwellc, existiren,und sie würden vermöge dieser gewissermasscn als Wächter für die In-tegrität unseres Leibes aufgestellt sein, indem sie uns, sobald dieSchnierzsehwellc überschritten wird, zur Abwehr oder Flucht aufrufen.Denke ich mir nun, dass spcciell diese Centra bei Viousseux gelähmtwaren, und dass das Chloroform diese Centra zuerst lähmt, so begreiftsich der anscheinend so räthsclhafte Zustand.

Wir kommen jetzt zu einer zweiten, fast noch schwierigeren Frage,zu der: Wie ist es mit den Temperatursempfindungen? Wir wissen, dasswir im Ganzen warm empfinden, wenn das Blut reichlieh durch die Ca-pillaren unserer Haut hindurcheirculirt, und dass wir kalt empfinden,wenn das Blut aus den Capillaren unserer Haut zurückweicht und sichim Innern des Körpers anhäuft. Ein Fieberkranker, der im hei-ssenSommer vom Froste geschüttelt wird, fühlt sich an seiner ganzen Körper-oberfläche kalt. Es ist sein Blut aus den Capillaren der Haut zurückgewichenund hat sich im Innern des Körpers, namentlich in Leber und Milz, an-gehäuft. Ein Individuum, das eben aus einem kalten Bade von 9" bis10° kommt, kann, wenn es sich nur kurze Zeit darin aufgehalten hat,so dass gleich eine sehr starke Reaction eintritt, sich auf seiner Haut-oberfLäche vollkommen warm fühlen, obwohl diese eben erkältet wordenist. Sieht man aber seine Haut an, so findet man, dass sie geröthet istvon reichlich zuflicssendem Blute, und damit hängt es zusammen, dassdas betreffende Individuum sich warm fühlt. Ich kann mir demnach vor-stellen: Wenn ich einen warmen Körper anfühle, so erwächst mir dasGefühl der Wärme, weil jetzt das Blut an der betreffenden Stelle in dieCapillaren der Haut einströmt, und umgekehrt, wenn ich einen kaltenKörper anfühle, so erwächst mir das Gefühl der Kälte, weil das Blutaus den Capillaren zurückweicht. Es bleibt mir dabei unbenommen, mirvorzustellen, dass die Nerven auch durch die Temperaturveränderungdirect verändert werden und somit auch das Gefühl, mit welchem sie imCentralorgane empfunden werden.

Es sind indessen doch ernstliche Schwierigkeiten vorhanden. Erstensist das Unterscheidungsvermögen, für warm und kalt keineswegs überallda am besten, wo die Tastempfindungen am besten sind. Es wird z. B.in manchen Gegenden empfohlen, beim Zurichten von Bädern nichtdie Hand, sondern den Ellenbogen hineinzustecken, weil die Erfahrunggelehrt hat, dass man eine zu grosse Wärme des Bades mit dem Ellen-bogen sicherer empfindet, als mit der Hand, obgleich dort das Unterschei-dungsvermögen für Tasteindrücke und die Summe der ^Nervenfasern eineviel geringere ist als an der Hand: und doch ist das Wärmegefühl keines-wegs unabhängig von der Summe der Nervenfasern, welche zugleich afficirtwerden; denn, wenn ich einen Finger ins Wasser hineinstecke, so schätze ichdie Temperatur weniger sicher, als wenn ich die ganze Hand hineinsteckeund da wieder woniger sicher, als wenn ich den ganzen Arm eintauche.

Es existiren ferner ähnliche Beobachtungen, wie sie über denSchmerz gemacht wurden, auch über die Temperakvrscmpfindung. Esexistiren Angaben, dass an Kranken die Temperatursempfindung verlorengegangen sei, dass dagegen die gewöhnliche Tastempfindung noch erhaltenwar; und hier kommt man nicht ohne Weiteres mit der Erklärung aus,mit der wir uns beim Schmerze geholfen haben, mit der Erklärung, dass

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