Tastsinn und G-emeingefiihl.
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entweder eine Gruppe von Tastnerven sehr oft hintereinander schwacherregt wird, oder, wenn nacheinander Gruppen von Tastnerven schwacherregt werden. Es entsteht, wenn ich mit einem Federbart oder einemStrohhalm leise über die Haut hinfahre, es entsteht aber auch dann,wenn ich den Finger an eine schwingende Saite bringe, so dass sie sehrrasch hintereinander dieselbe Gruppe von Nerven wiederholt erregt.
Wir fragen dann weiter, ob der Schmerz, der uns erregt wird, wennheftig gerieben wird, oder wenn die Haut gekneipt wird u. s. w., ob unsdieser auch durch die Tastnerven zugeht oder nicht. Es ist jetzt dieAnsicht von Johannes Müller ziemlich allgemein angenommen, dass derSchmerz von gewöhnlichen Empfindungsnerven herrühre, die im Allge-meinen unseren Tastnerven als gleiohwerthig zu betrachten sind und dieeben in sehr hohem Grade erregt worden sind. Darnach müsste man alsosagen, die höheren Grade von Erregungen der gewöhnlichen Empfindungs-nerven sind es, welche wir als Schmerz empfinden. Man hat sieh freilichauf die qualitativen Verschiedenheiten des Schmerzes, auf einen stechen-den, einen schneidenden, einen drückenden Schmerz u. s. w. berufen;aber es lassen sich diese Verschiedenheiten auch auf die verschiedeneArt der Erregung zurückführen. Wenn eine bestimmte kleine Gruppevon Nerven in sehr hohem Grade erregt wird, so haben wir einenstechenden Schmerz. Pflanzt sich die Erregung linear fort, dann habenwir einen schneidenden Schmerz. Wird dagegen eine grössere Mengevon Nerven schwächer aber gleichzeitig erregt, dann haben wir einendrückenden Schmerz u. s. w.
Ein sehr wichtiger Einwand gegen diese Theorie ist gemacht worden.Fs sind nämlich Fälle beobachtet worden, in denen die Empfindlichkeitgegen Schmerz verloren gegangen war, und doch noch ein ziemlich gutesTastgefühl existirte. Man kann diese Beobachtungen nicht von der Handweisen; eine derselben, die berühmteste, wurde von einem ((enter ArztVieusseux, der seinen Zustand ausführlich boschrieb, an sich selbstgemacht. In neuerer Zeit hat diese Thatsache weitere Bestätigung gefundendurch die Aussagen, welche Individuen über ihren Zustand in der Aether-oder Chloroformnarkose gemacht haben. Sie haben nicht selten ausgesagt,sie wären so weit narkotisirt worden, dass sie keinen Schmerz empfun-den hätten, aber sie hätten noch gehört, gesehen, sie hätten noch dieDinge gefühlt. Es scheint dies auf den ersten Anblick zu beweisen, dassverschiedene Arten von Nerven uns die Tastempfindungen und die Schmorz-empfindungen vermitteln. Man kann aber die Sache auch anders erklären.Man kann sie sich auch so erklären, dass zwar noch Eindrücke zumGehirne fori gepflanzt werden können, dass aber diese Eindrücke imCentralorgane nicht mehr diejenige Höhe erreichen können, um ebenSchmerzempfindungen zu veranlassen, und dass deswegen die betreffen-den Individuen zwar noch fühlen, aber keinen Schmerz empfinden. Mankann aber die Sache auch noch in anderer Weise erklären. Man kannsich vorstellen, dass im Gehirne, abgesondert von den Theilen, in denenunsere Tastempfindungen ausgebildet werden, eigene Gebilde vorhandenseien, deren Erregung uns Schmerz verursacht, und die ich als Schmerz-eentra bezeichnen will. Sie könnten von den Tastnerven aus erregtwerden, aber nur durch Beize von einer gewissen Stärke, von einergrösseren Stärke, als sie nöthig ist, um Tastempfindungen zu erregen.