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2 (1876) Physiologie der Nerven und der Sinnesorgane und Entwickelungsgeschichte
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Theorie der Tonempfindungen.

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und Saite so zierlich in Eeihen auf der Lamina spiralis membranaeeastehen, dass sie gleichsam wie die Tasten eines Claviers, die man nuranzuschlagen braucht, aussehen, musste der erste Gedanke wohl der sein,dass es Stege und Saiten, in Sonderheit zunächst die Saiten, des Corti-schen Organs wären, die in Mitschwingungen versetzt werden, so dass siein verschiedenen Regionen der Schnecke mit verschieden hohen undtiefen Tönen mitschwingen, und dadurch verschiedene Gruppen der radialausgebreiteten Nervenfasern des Acusticus erregt werden. Das war auchin der That die erste Ansicht von Helmholtz, die er in seinem Werkeüber Tonempflndungen auseinandergesetzt hat. Er ist aber später davonzurückgekommen, und zwar aus einem Grunde, den die vergleichendeAnatomie geboten hat. Es zeigte sich, dass bei den Vögeln kein eigent-liches Analogon des Steges und der Saite vorhanden sei. Nun wissenwir aber, dass die Vögel musikalisch sind, dass ein Theil derselben sogarabgerichtet werden kann, Melodien nachzupfeifen. Ein Dompfaff mussoffenbar die Töne in ganz ähnlicher Weise hören und auffassen, wiewir, da er sie in ganz analoger Weise wiedergibt. Wenn er also keineAnalogen für diese Gebilde hat, so ist es einigermassen gewagt, inihnen die primär mitschwingenden Theile zu suchen.

Nun ist aber die Membrana basilaris (Fig. 64 pp), die fibröseGrundlage der ganzen Lamina spiralis membranaeea, radial gefasert, sodass man mit grosser Wahrscheinlichkeit annehmen kann, dass ihreSpannung in tangentialer Richtung, also senkrecht auf die Richtung derFasern, verschwindend ist im Vergleiche zu ihrer Spannung in radialerRichtung. Unter diesen Umständen ist es erlaubt sie physikalisch anzu-sehen als ein System von nebeneinanderliegenden Saiten, so dass dieeinzelnen radialen Zonen in verschiedenen Perioden, je nach ihrer Längeund ihrer Spannung, schwingen können. Helmholtz nimmt deshalbjetzt an, dass es die Membrana basilaris sei, deren einzelne Zonen zu-nächst in Mitschwingung versetzt werden, und dass durch diese die un-mittelbar daraufliegenden Theile und mit ihnen die Nervenenden desAcusticus erregt werden.

Wir haben gesehen, dass die Klänge im Ohre zerlegt werden, in-dem daselbst nur pendelartigo Schwingungen entstehen, und also jederKlang in diejenigen pendelartigen Schwingungen zerlegt wird, für welcheer nach der Form und Periode seiner Schwingungen Impulse abgebenkann. Wir nehmen also eigentlich nicht den Klang als solchen wahr,sondern wir nehmen den Grundton desselben und die harmonischen Ober-töne wahr; aber wir sind uns dessen für gewöhnlich nicht bewusst, weilwir immer den Klang als Ganzes auffassen, und es bedarf einer beson-deren Aufmerksamkeit und Ueberlegung, um in der Klangmasse einzelneObertöno zu erkennen. Nun kann ich aus zwei Wellensystemen nichtnur ein neues erzeugen, sondern mehrere, indem ich sie mir mit ihrenPhasen in verschiedener Weise auf einander gelegt denke. So wurdeFig. 64 aus A und B das System C erzeugt: es kann aber durch eineandere Aufoinanderlagerung auch das System D erzeugt werden. Eskann also ein System von mitschwingenden Körpern in seinem actuollenZustande gleichzeitig Wellensystemen von verschiedener Porm abergleicher Periode entsprechen. Es fragt sich deshalb, nimmt das Ohrwirklich die Gestalt der Wellen wahr, die ihm zukommen, oder nimmt