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2 (1876) Physiologie der Nerven und der Sinnesorgane und Entwickelungsgeschichte
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Inneres Ohr.

I

die Lippen bewegt, oder wenigstens so, dass er die Lippen möglichstwenig bewegt, um uns nicht merken zu lassen, dass er es selbst ist,der spricht. Dadurch dass er den Ton der Stimme dämpft, glauben wir,dass die Laute aus einem andern Baume herkommen und der Bauch-redner deutet auf einen bestimmten Ort hin, und macht uns glauben,dass sich dort ein Individuum befinde, mit dem er sich unterhält.

Auch bei den gewöhnlichen Kinderspielen, bei den Versteckspielen,bei denen gerufen oder gepfiffen wird, um ein Zeichen zu geben, zeigtsich, dass wir keine directe Wahrnehmung von der Eichtung haben, ausder der Ton kommt, abgesehen von der Wahrnehmung, die uns darauserwächst, dass wir einmal mit dem einen, das andere Mal mit demandern Ohre stärker hören.

Wir kennen bis jetzt überhaupt gar nicht mit Sicherheit eine Be-ziehung der Bogengänge als solcher zum Hören, wir kennen aber eineBeziehung der Bogengänge zu dem Gefühle vom Gleichgewichte desKörpers. Ich erinnere hier an die Versuche von Flourens und seinenKachfolgern, welche wir, als wir von der Physiologie des Gehirns han-delten, ausführlich besprochen haben. Es ist dabei ausdrücklich gesagtworden, dass beim Anschneiden, ja beim Zerstören der Bogengänge dieThiere nicht taub geworden seien, während sie beim Zerstören derSchnecke taub wurden.

Ehe wir weiter die Bolle des inneren Ohres beim Hören erörtern,muss ich noch Einiges über den Bau desselben bemerken. Es sind inneuerer Zeit einige früher unbekannte Thatsachen eruirt worden. DieAeste des N. vestibuli, welche zum häutigen Labyrinthe gehen, sind hierbis in gewisse epitheliale Gebilde verfolgt worden, ohne dass bis jetztbei Säugethieren und Menschen die Art und Weise ihrer Endigung mitSicherheit bekannt wäre. Vom häutigen Labyrinthe selbst nun gab manfrüher an, dass es mit der Endolymphe gefüllt, in der Perilympheschwimme. Büdinger hat aber nachgewiesen, dass dies nicht der Lallist, sondern dass die Bogengänge an das Periost durch eine bindegewe-bige Brücke befestigt sind, und auch sonst bindegewebige Habenulae vomPeriost zum Labyrinth gehen, so dass dasselbe weniger frei, als mansonst geglaubt hat, in der Perilymphe liegt. Hensen hat ferner gefun-den, dass der Schneckenkanal durch den Canalis reuniens mit dem Sacculusseu Sacculus rotundtis communicirt, und andererseits hat man gefunden,dass der Becessus labyrinthi, den man früher nur als embryonale BildungFig. 63. kannte, und von dem man wusste, dass er

in den Aquaeductus vestibuli umgewandeltwerde, den man blos für den Durchgangs-kanal einer Vene hielt, dass dieser als Hohl-raum fortexistirt. Man fand, dass er an seinerinneren gegen die Dura mater gerichtetenSeite mit einem angeschwollenen Ende blindendigt und dass er sich an seiner dem La-byrinth zugewendeten Seite in zwei Aestetheilt, von denen der eine mit dem Saccu-lus, der andere mit dem Utriculus seu Sacculus ellipticus communicirt,so dass auf diese Weise Bogengänge, Utriculus, Sacculus und Schnecken-kanai mit einander in der Weise communiciren, wie es in der bei-